Ein gelungener Auftakt
DIDIER HEUMANN, ANDREAS PAPASAVVAS

Wir haben die Route in mehrere Abschnitte unterteilt, um die Übersichtlichkeit zu erleichtern. Für jeden Streckenabschnitt zeigen die Karten die Route, die Steigungen entlang des Weges und den Zustand des GR65. Die Routen wurden auf der Plattform „Wikiloc“ erstellt. Heutzutage ist es nicht mehr notwendig, detaillierte Karten in der Tasche oder im Rucksack mitzuführen. Mit einem Mobiltelefon oder Tablet können Sie die Route ganz einfach live verfolgen.
Für diese Strecke finden Sie hier den Link:
https://fr.wikiloc.com/itineraires-randonnee/du-puy-en-velay-a-st-privat-dallier-par-le-gr65-29068056
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Nicht alle Pilger sind unbedingt mit der Nutzung von GPS oder der Navigation über das Smartphone vertraut, zumal es noch viele Gegenden ohne Internetverbindung gibt. Deshalb ist zur Erleichterung Ihrer Reise ein Buch über die Via Gebennensis durch die Haute-Loire auf Amazon erhältlich. Dieses Werk ist weit mehr als nur ein praktischer Reiseführer: Es begleitet Sie Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, und bietet Ihnen alle nötigen Informationen für eine entspannte Planung ohne böse Überraschungen. Doch über die nützlichen Ratschläge hinaus entführt es Sie auch in die zauberhafte Atmosphäre des Weges – es fängt die Schönheit der Landschaften ein, die Erhabenheit der Bäume und das Wesen dieses spirituellen Abenteuers. Nur die Bilder fehlen – alles andere ist da, um Sie mitzunehmen auf diese Reise.
Ergänzend dazu haben wir auch ein zweites Buch veröffentlicht, das mit etwas weniger Detailtiefe, aber mit allen wesentlichen Informationen den gesamten Weg vom Le Puy-en-Velay bis nach St Jean-Pied-de-Port beschreibt. Sie haben die Wahl, welcher Strecke Sie folgen möchten.
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Wenn Sie nur die Unterkünfte der Etappe einsehen möchten, scrollen Sie direkt zum Ende der Seite.
Sehr viele Pilger und Wanderer wählen Le Puy-en-Velay als Ausgangspunkt ihres Weges nach Santiago de Compostela. Doch diese erste Etappe ist alles andere als ein sanfter Einstieg. Konfrontiert sie den Wanderer nicht von Anfang an mit den Anforderungen der Strecke? Anspruchsvolle Höhenunterschiede, ein noch zu schwerer Rucksack, Schuhe, die sich dem Fuß erst anpassen müssen, und ein Körper, der seinen eigenen Rhythmus erst finden will. Für den erfahrenen Sportler ist dies lediglich eine Etappe unter vielen. Doch gibt es überhaupt gewöhnliche Etappen? Der Weg entzieht sich jeder Routine. Er erfindet sich Tag für Tag neu und stellt den Wandernden jeden Tag vor neue Herausforderungen.
Das Velay entstand aus einer langsamen und außergewöhnlichen geologischen Entwicklung, bei der die Erosion die Überreste komplexer Vulkane formte, die einst aus einem Granitsockel hervorgegangen waren. Es ist eine Geschichte von gewaltigen Kräften und unendlicher Geduld. Vor langer Zeit durchbrachen die Vulkane die ursprüngliche Erdkruste, die sich bereits auf nahezu tausend Metern Höhe befand, und ergossen Schicht um Schicht gewaltige Lavaströme, bis das Relief Höhen von mehr als 2.500 Metern erreichte. Als Vulcanus oder Hephaistos, je nachdem welcher Mythos erzählt wird, schließlich seine feurigen Ausbrüche ruhen ließ, begann die Zeit ihr eigenes Werk. Jahrhundert um Jahrhundert, Jahrtausend um Jahrtausend senkte sich die Landschaft, riss auf und zerfiel unter der beharrlichen Kraft des Wassers in Vulkankegel, Schluchten und steile Felsabbrüche. Auf diesem Fundament aus Schlacken und Asche lagerten Flüsse und Gletscher nach und nach weichere Sedimente wie Mergel und Kalkstein ab. Dadurch wurden die Landschaftsformen sanfter und weite Hochflächen entstanden. Der Basalt jedoch, hart wie Eisen, widersteht der Verwitterung mit außergewöhnlicher Standhaftigkeit. Deshalb haben die abgerundeten Vulkankegel die Zeiten überdauert, und die drei berühmten Felsen von Le Puy, der Rocher Corneille, der Rocher Saint-Michel und der Mont Anis, sind bis heute die letzten aufragenden Zeugen dieser uralten Vulkanschlote.
Hier prägen die Landwirtschaft und noch stärker die Viehzucht das Landschaftsbild. Kleine Felder und Wiesen reihen sich aneinander wie die sorgfältig zusammengesetzten Teile eines Mosaiks. Der Wald nimmt eine eher bescheidene Fläche ein, verschwindet jedoch nie ganz. Zahlreiche kleine Gehölze, Hecken und Waldränder begleiten den Blick und strukturieren den Horizont. Das Plateau des Devès entstand durch die übereinander gelagerten mächtigen Basaltströme, die sich wie die Seiten eines steinernen Buches aufeinandergelegt haben. Dazwischen erheben sich kleinere vulkanische Anhöhen, die hier „Gardes“ genannt werden. Diese fruchtbaren Hügel, die von Kiefern oder Heideflächen gekrönt sind, wachen wie stille Wächter über das Hochplateau. Die große Zahl ehemaliger Krater begünstigte die Entstehung zahlreicher Moore, deren eindrucksvolles Beispiel der Lac de l’Œuf ist. Das Devès ist bis heute ein Land der Weiden und des Viehs, während Ackerbau eine geringere Rolle spielt. Rund um die Bauernhöfe bilden lebende Hecken aus Haselsträuchern und Eschen eine geschlossene Bocage-Landschaft. Um die steinigen Böden nutzbar zu machen, räumten die Bauern unzählige Felsblöcke von ihren Feldern und schichteten sie zu niedrigen Trockenmauern auf, die der Landschaft heute eine schlichte Eleganz verleihen. Die Dörfer gruppieren sich meist um eine Kirche oder ein Schloss und sind häufig um einen Dorfplatz oder einen sogenannten „Couderc“ angeordnet. Dieser gemeinschaftliche Platz erzählt bis heute von einer noch spürbaren gemeinsamen Vergangenheit, ebenso wie in der benachbarten Margeride. Backhäuser, Waschhäuser, Brunnen und Einrichtungen zum Beschlagen der Ochsen zeugen von einer früheren Dorfgemeinschaft, die von gegenseitiger Hilfe und gemeinsamem Arbeiten geprägt war. Für den Bau ihrer Häuser nutzten die Menschen das vulkanische Gestein, das ihnen der Boden selbst zur Verfügung stellte. Aus diesen dunklen, matten Steinen entstand eine Architektur von schlichter Strenge und fast vornehmer Würde, die den Dörfern ihren unverwechselbaren Charakter verleiht.
Die Strecke führt nach Südwesten und verlässt allmählich das Einzugsgebiet der Loire, um jenes des Allier zu erreichen. Sie wandern über die Hochflächen des Devès im Herzen des Velay, einer ausgedehnten Basalthochebene, die im Osten tief von der Loire und im Westen vom Allier eingeschnitten wurde. Zwischen diesen beiden großen Tälern unterbrechen nur wenige kleinere Täler die weite Offenheit der Landschaft. Die gesamte Etappe verläuft im Département Haute-Loire. Bereits hier zeigen sich die charakteristischen Landschaften des französischen Zentralmassivs mit bewaldeten Mittelgebirgen, sanften Höhenzügen, verborgenen Tälern und stellenweise tief eingeschnittenen Schluchten. Die Natur wirkt hier keineswegs gezähmt. Ihre markanten Formen bewahren bis heute die Erinnerung an ihre bewegte geologische Vergangenheit.
Im Allgemeinen stellen wir die Etappen bei schönem Wetter vor, da wir diese Wege meist unter einem freundlichen Himmel erwandert haben. Heute machen wir jedoch eine Ausnahme. Auch Regen, schwere Wolken und dunkle Himmel können einer Landschaft eine tiefere, geheimnisvollere Schönheit verleihen und eröffnen eine ebenso kostbare Möglichkeit, den besonderen Zauber dieser Region zu entdecken.
Schwierigkeitsgrad der Strecke: Auf dieser Etappe sind die Höhenunterschiede durchaus beträchtlich, doch die Anstiege verlaufen gleichmäßig und bleiben gut zu bewältigen (+649 Meter / -389 Meter). Die Strecke führt stetig hinauf zu den Monts du Devès. Von dort oben erkennt man in der Ferne die Margeride und noch weiter entfernt den Aubrac. Für den Beginn des Jakobsweges ist das ein gelungener Auftakt. 23,2 Kilometer Wanderung und mehr als 600 Höhenmeter im Aufstieg führen bis zu den Monts du Devès. Anschließend bringt ein Abstieg, der nicht immer leicht und auf den steinigen Abschnitten stellenweise recht anspruchsvoll ist, den Pilger nach St Privat d’Allier.

Zustand des GR65: Auf dieser Etappe überwiegen die Abschnitte auf Wegen deutlich gegenüber jenen auf Asphalt. Das ist auf dem Jakobsweg nicht immer der Fall:
- Asphalt : 9.5 km
- Wanderwege : 13.7 km
Manchmal, aus logistischen Gründen oder wegen der Unterkunftsmöglichkeiten, kombinieren diese Etappen Strecken, die an verschiedenen Tagen zurückgelegt wurden, da wir diese Routen mehrmals durchlaufen haben. Daher können Himmel, Regen oder Jahreszeiten variieren. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall, und tatsächlich ändert es nichts an der Beschreibung der Strecke.
Es ist sehr schwierig, die Steigungen der Routen mit Sicherheit anzugeben, unabhängig davon, welches System Sie verwenden.
Für die tatsächlichen Höhenunterschiede lesen Sie bitte die Hinweise zur Kilometerangabe auf der Startseite noch einmal durch.

Abschnitt 1: Ein Auftakt mit Paukenschlag

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Der Beginn ist für wenig trainierte Wanderer anstrengend. Nach dem ersten Kilometer wird die Strecke jedoch deutlich ruhiger.

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Im Mittelalter brachen die Pilger vom Vorplatz der Kathedrale Notre-Dame nach Galicien auf. Zunächst mussten sie die 102 Stufen überwinden, welche die Unterstadt mit der Oberstadt verbinden. Bis heute versammeln sich jeden Morgen um Punkt sieben Uhr zahlreiche Pilger in der Kathedrale, um an der Messe teilzunehmen und den Pilgersegen für den Aufbruch zu empfangen. Zu dieser stillen Morgenstunde wirkt Le Puy beinahe menschenleer, als hielte die Stadt den Atem an, bevor sie ihre Reisenden dem Weg überlässt. An diesem Morgen stehen mehr als hundert Menschen vor der Schwarzen Madonna. Die Feier folgt der jahrhundertealten Tradition und verbindet Besinnung mit praktischen Hinweisen und ermutigenden Worten, die in mehreren Sprachen gesprochen werden, damit alle Pilger sie verstehen können. Wer noch keinen Pilgerausweis besitzt, erhält nun die „Credencial“, jenen Pilgerpass, der sich im Laufe der Reise nach und nach mit Stempeln füllen wird.
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| Aus diesem Anlass öffnet sich auch die große Freitreppe der Kathedrale, die Besuchern normalerweise verschlossen bleibt, wie ein feierliches Tor zum Beginn des Abenteuers. Einer nach dem anderen steigen die Pilger beinahe schweigend die Stufen hinab, erfüllt von einer stillen und zugleich freudigen Ernsthaftigkeit. Anschließend folgen sie der Rue des Tables bis zur Kreuzung mit der Rue Saint-Jacques und dem Boulevard Saint-Louis, als würden sie von einer uralten Strömung getragen. |
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| Gegenüber beginnt die Rue des Capucins, der eigentliche Ausgangspunkt der Via Podiensis. Im Herzen dieser Straße befindet sich die Pilgerherberge der Kapuziner. Viele Wanderer haben dort die vergangene Nacht verbracht, andere übernachteten in einem Hotel, je nach Budget, Gewohnheiten oder den Gedanken des Vorabends. Hier hört Santiago de Compostela auf, ein bloßer Plan zu sein, und wird Wirklichkeit. |
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| Schon auf den ersten Metern erkennt der unerfahrene Pilger, dass sich der Jakobsweg nicht widerstandslos bezwingen lässt. Für einen Auftakt hat es diese Strecke in sich. Die Straße steigt mit beinahe alpiner Entschlossenheit an und folgt einem schmalen Gehweg, der sofort dazu zwingt, Atem und Schritt in Einklang zu bringen. Dieser erste steile Anstieg wirkt wie eine Warnung. Der Weg schmeichelt niemandem, er stellt jeden auf die Probe. |
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| Oben angekommen erinnern Wegweiser mit einer einzigen Zahl an das Ausmaß der bevorstehenden Reise. Noch 1.521 Kilometer bis Santiago de Compostela. Diese Zahl beeindruckt nicht nur den Geist, sondern auch die Beine. Plötzlich wird die Entfernung greifbar und jeder beginnt zu ahnen, worauf er sich eingelassen hat oder zu haben glaubt. |
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| Anschließend erreicht die Strecke die „Rue de Compostelle“. Doch der Name allein macht den Anstieg nicht leichter. Die Straße windet sich weiter bergauf, zieht sich durch die höher gelegenen Viertel der Stadt und erreicht schließlich die ersten Häuser von Espaly-St Marcel. Je weiter man sich vom Zentrum von Le Puy entfernt, desto deutlicher macht sich die Anstrengung bemerkbar. Die Stadt verschwindet langsam hinter dem Wanderer wie ein Ufer, das man endgültig verlässt. |
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Auf der Straße ziehen die Pilger wie die Perlen eines Rosenkranzes auseinander. So ist es auf allen großen Fernwanderwegen. Viele brechen gemeinsam auf und teilen dieselbe Begeisterung, doch schon nach wenigen Kilometern beginnt die Strecke eine lautlose Auswahl zu treffen. Es gibt jene, die voller Tatendrang die Steigung möglichst schnell überwinden wollen, als könnten sie so die Länge der Reise verkürzen. Andere gehen bedächtig, beinahe verträumt, und scheinen den Augenblick hinauszögern zu wollen, in dem sie wirklich aufgebrochen sind. Wieder andere begegnen den ersten Schwierigkeiten mit einer Mischung aus Überraschung und Respekt. Sie wissen bereits, dass noch größere Herausforderungen auf sie warten. Deshalb bleiben sie stehen, machen ein Foto oder werfen einen letzten Blick auf die Dächer von Le Puy, um ein letztes Bild der Stadt mit sich zu nehmen, bevor sie ihren Weg fortsetzen. Junge Menschen stellen übrigens keineswegs die Mehrheit der Pilger. Meist sind es Ruheständler, allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen, die hier ihre Reise beginnen. Manche tragen die Jakobsmuschel um den Hals oder am Rucksack befestigt. Doch die Muschel ist weit mehr als ein Erkennungszeichen. Sie verbindet mit dem Unsichtbaren, gilt als Schutzsymbol und wird auf den langen einsamen Wandertagen fast zu einem stillen Begleiter. Hin und wieder begegnet man auch Pilgern mit einem Hund, einem treuen Gefährten, der manchmal über ein Zuggeschirr mit seinem Besitzer verbunden ist. Wesentlich seltener sieht man Esel oder Pferde, Erinnerungen an die langsamere Art des Reisens vergangener Zeiten. Wer sich noch einmal umdreht, erkennt die Kathedrale und die Statue Notre-Dame-de-France auf dem Rocher Corneille. Die Kapelle St Michel d’Aiguilhe bleibt von hier aus allerdings noch verborgen.

| Auf diesem ersten Kilometer erreicht die Steigung stellenweise mehr als 15%. Um den Asphalt möglichst früh zu verlassen, führt die Strecke durch einen kleinen Park, in dem Holzstufen einen Pfad markieren, der den Augen angenehmer erscheint als den Beinen. Wenig später setzt sich der Aufstieg über mehrere Treppen und durch neuere Wohnviertel fort, die sich über die Hänge oberhalb der Stadt verteilen. |
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| Weiter oben wird die Steigung beim Weiler Séjalat endlich sanfter. In der Nähe erinnert eine große Spitzenfabrik an die lange Tradition der örtlichen Spitzenherstellung. Heute droht Regen. Doch selbst bei freundlichem Wetter nimmt der Boden starke Niederschläge nur langsam auf und bewahrt lange die Spuren des gefallenen Regens. |
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| Der GR65 verlässt nun die Straße und folgt einem breiten Schotterweg, der nahezu eben durch die offene Landschaft verläuft. Es handelt sich um die alte Straße nach Saugues. Die Spuren der letzten Regenfälle sind noch deutlich sichtbar, und auch der Himmel verspricht wenig Besserung. Der Weg führt an ehemaligen vulkanischen Erhebungen vorbei, die hier sowohl „Sucs „als auch „Gardes“ genannt werden. Diese kleinen, durch die Erosion weich geformten Vulkane bestehen aus rötlichem, leicht zerfallendem Gestein, das als Puzzolan abgebaut wird. Langsam verschwindet Le Puy hinter den sanft gewellten Vulkanlandschaften, die den besonderen Reiz des Velay ausmachen. |
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| Unterwegs erreicht die Strecke das Kreuz von Pouvignac. Die dort aufgestellten Bänke wirken wie eine Einladung zum Ausruhen und sind für viele unerfahrene Pilger nach den ersten Anstiegen eine willkommene Oase. Schon nach kurzer Zeit lehrt die Strecke Bescheidenheit. |
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Das Kreuz wurde im Jahr 1940 durch einen Blitzschlag zerstört. Von dem Bauwerk, dessen Sockel aus dem 12. Jahrhundert stammt, blieb lange Zeit nur ein verstümmelter Pfeiler erhalten, bevor es vor wenigen Jahren restauriert wurde. Wie überall entlang der Strecke erzählen diese Kreuze weit mehr als nur von persönlicher Frömmigkeit. Zepter mögen über die Welt herrschen, Kreuze hingegen weisen den Blick zum Himmel. Niemand vermag das Alter der Tausenden von Kreuzen entlang der Straßen nach Santiago mit Sicherheit zu bestimmen, denn ihre Geschichte reicht bis in die ersten Jahrhunderte der Christianisierung zurück. Sie wurden von Pfarrgemeinden errichtet, aus persönlicher Frömmigkeit gestiftet oder zum Gedenken an besondere Ereignisse aufgestellt. Lange dienten sie als Wegmarken, kennzeichneten den Eingang eines Dorfes, die Grenzen einer Pfarrei oder boten Prozessionen einen Ort zum Innehalten. Auch heute, obwohl vielerorts Stille eingekehrt ist, bleiben sie bescheidene, aber ausdauernde geistliche Wegzeichen entlang der langen Straße der Menschen.

| Danach zieht sich der Weg über lange, kaum wahrnehmbare Anstiege durch offene Felder. Der Boden schimmert braun und rötlich und verrät damit seinen vulkanischen Ursprung. Der Himmel scheint hier so tief zu hängen, dass er beinahe die Wiesen und die wenigen Felder berührt. Die Landschaft besteht aus sanft gewellten Hochflächen, die überwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Ackerflächen sind selten, Weiden mit Vieh dagegen häufiger. Wer an einem windigen Tag hier unterwegs ist, erlebt, wie ungehindert der Wind über das Hochplateau fegt. Nur vereinzelt wachsen Laubbäume wie Hainbuchen, Eschen und Ahorne entlang der unregelmäßigen Trockenmauern. Dazwischen gedeihen Hagebuttensträucher und Brombeeren. |
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Im Tal des Dolaison unterhalb des Weges befinden sich zahlreiche sogenannte „Chibottes“, denen ein eigener Pfad gewidmet ist. Entlang des GR65 selbst sind dagegen nur wenige dieser Bauwerke zu sehen. Als einst Ackerland an die Bevölkerung verteilt wurde, stand zunächst der praktische Nutzen im Vordergrund. So entstanden einfache Unterstände für Hirten und Feldarbeiter. Gleichzeitig mussten die Felder von den zahlreichen Steinen befreit werden. Bald erkannte man, wie sich beides miteinander verbinden ließ. Die „Chibottes“ oder „Tsabonnes“ sind Trockensteinhütten, die besonders im Département Haute-Loire und vor allem im Tal des Dolaison erhalten geblieben sind. Die beim Pflügen gesammelten Vulkansteine wurden ohne Mörtel zu kleinen, igluähnlichen Hütten aufgeschichtet. Während der Sommermonate dienten sie Hirten und Winzern als saisonale Unterkunft. Manche verfügten sogar über eine Feuerstelle. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden diese einfachen Bauten nach und nach aufgegeben. Im Département Lot tragen sie die Bezeichnungen „Caselles „oder *Gariottes“. Heute sind sie vor allem kulturhistorische Sehenswürdigkeiten.

| Wenig später verliert der Weg allmählich seinen groben Schotterbelag. Der Boden nimmt warme Ockertöne an und steigt mit neuer Entschlossenheit zu einem einsam gelegenen Bauernhof an, der am Ort Conflans wie ein Wachposten unterhalb der „Garde de Croustet“ steht. |
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| Danach wird die Steigung wieder sanfter. Der Weg zieht sich fast geradlinig weiter und steigt so gleichmäßig an, dass man die Neigung kaum noch wahrnimmt. Junge Laubhecken und hohe, vom Wind bewegte Gräser begleiten den Wanderer. |
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| In dieser ruhigen und weit geöffneten Landschaft folgen die Wiesen scheinbar endlos aufeinander. Das Vieh ist nicht immer zu sehen, doch zu anderen Jahreszeiten beleben Kühe und Schafe die Weiden mit ihrer friedlichen Gegenwart. Der Ackerbau bleibt bescheiden. Einige Maisfelder und kleine Getreideflächen setzen dezente Akzente inmitten der weiten Grünflächen. |
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Abschnitt 2: Entlang einer langgezogenen Hochebene

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Gelegentlich gibt es einige Anstiege, sie sind jedoch stets nur von kurzer Dauer.

| Der Weg schimmert häufig dunkelgrau bis schwarz, als würde man über feinen Basaltstaub gehen. |
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| Nach einer langen Geraden überquert der Weg die D589, jene Departement Straße, die sich durch die gesamte Region zieht. |
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Sie erreichen nun den Flurnamen Les Fangeasses. So ist es fast immer. Zu Beginn eines Jakobsweges ist die Beschilderung vorbildlich, übersichtlich und gut organisiert. Später wird sie häufig weniger zuverlässig. Schade, doch wirklich verirren wird man sich nur selten.

| Ein Weg wird nun schmaler und schlängelt sich durch Wiesen zwischen Brombeerhecken, hohen Wildgräsern und gelegentlichen Hainbuchen. Dazwischen stehen zahlreiche einzeln wachsende Eschen. Der Boden ist stellenweise mit Puzzolan bedeckt, jenen porösen vulkanischen Schlackensteinen, die rot oder schwarz sein können. Hier leuchten sie in warmen Rottönen. |
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| Zur richtigen Jahreszeit können Sie sich unterwegs an den Brombeeren erfreuen, denn die Böschungen sind dicht mit Brombeersträuchern bewachsen. |
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| Am Flurnamen La Sagne, nur wenige Schritte von den ersten Häusern entfernt, macht der Weg einen rechtwinkligen Knick. Ein Hinweisschild mahnt die Pilger, sich nicht von schlechten Ratgebern vom Weg abbringen zu lassen. Ob dies tatsächlich häufig geschieht, darf bezweifelt werden. Nach vielen tausend Kilometern auf den Jakobswegen haben wir jedenfalls nie Anlass zu einer solchen Sorge gehabt. |
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| Kurz darauf verläuft der Weg eben bis nach La Roche und überquert erneut die Drpartement Straße D589, die Le Puy mit St Privat d’Allier verbindet. |
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| Eine schmale Straße führt anschließend an einer erstaunlichen Reihe nahezu gleichartiger Bauernhöfe vorbei, als wären sie alle mit derselben Hand erbaut worden. Mächtige Blöcke aus dunklem vulkanischem Gestein, mit Kalkmörtel verbunden, tragen unter roten Ziegeldächern eine Architektur, die zugleich schlicht, kraftvoll und harmonisch wirkt. |
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In der Ebene zeichnen sich die Vororte von Le Puy-en-Velay noch immer am Horizont ab, wie das ferne Echo einer Stadt, das nur langsam verstummt.

| Danach führt eine kleine Straße unterhalb des Dorfes entlang. Sie befinden sich noch ganz am Anfang der Via Podiensis, und einige unauffällige Rastplätze erinnern daran, dass ein Pilger nicht nur mit seinen Füßen unterwegs ist, sondern auch Hunger und Durst verspürt. Heute jedoch scheint der Wirt gerade seine Pause zu genießen. |
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| Die Strecke verlässt nun für eine Weile den Asphalt und folgt einem schmalen Pfad, der am Fuß des Weilers entlangführt. La Roche scheint förmlich auf einem Felsvorsprung zu schweben und über einem tief eingeschnittenen Tal zu thronen, in dessen Grund der Dolaison verborgen zwischen den Hängen dahinfließt. Überall begegnet man der allgegenwärtigen Präsenz des Steins. Hier ist er weit mehr als nur Baumaterial, er prägt den gesamten Charakter des Ortes. Die Häuser des Weilers wirken wie aus einem einzigen Entwurf entstanden. Sie besitzen dieselben klaren Formen, dieselben dunklen Farbtöne und dieselbe schlichte Würde. Das vulkanische Gestein der Region ist alles andere als leicht zu bearbeiten. Es ist spröde, widersetzt sich dem Werkzeug und fordert Geduld. Dennoch verstanden es die früheren Generationen, dieses Material zu nutzen. Sie schichteten unregelmäßige, oft nur grob behauene Steine aufeinander und verbanden sie mit Kalk oder Mörtel. Andere vulkanische Gesteine fanden ebenfalls Verwendung, sogar auf den Dächern, wo sie als Steinplatten gedeckt wurden und die umgebende Landschaft bis in die Häuser hinein verlängern. |
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| Hier ist noch ein altes eisernes Gerät erhalten, das auf den ersten Blick streng und beinahe bedrohlich wirkt. Doch keine Sorge, es war niemals für Menschen bestimmt, sondern für die Ochsen vergangener Zeiten. Dieses alte Beschlaggestell, das man auch „Travail“ nannte, erinnert an die längst vergangene bäuerliche Welt. Während sich ein ruhiges Pferd meist ohne größere Schwierigkeiten beschlagen ließ, mussten Kühe und Ochsen, die nicht lange auf drei Beinen stehen konnten, in dieser massiven Eisenkonstruktion fixiert werden. Heute ziehen keine Ochsen mehr die Pflüge, umso erfreulicher ist es, dass die Region die Zeugnisse dieser ländlichen Vergangenheit so sorgfältig bewahrt hat. |
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| Langsam verlässt der GR65 dieses bemerkenswerte Dorf, dessen architektonische Geschlossenheit entlang der Strecke nahezu vollständig erhalten geblieben ist. Kein modernes Gebäude stört das harmonische Gesamtbild. Manchmal ragen die Mauern so hoch auf, dass man sich am Fuß einer vergessenen Festung wähnt. Viele verbinden vulkanisches Gestein ausschließlich mit schwarzem Basalt. Das trifft zwar teilweise zu, doch die vulkanischen Landschaften bergen weit mehr Farbnuancen. Hellere Gesteine wie Trachyt und andere vulkanische Gesteinsarten mildern den ernsten Charakter des dunklen Basalts. |
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| Am Ortsausgang folgt ein schmaler Pfad, übersät mit Steinen unterschiedlichster Größe. Er verläuft am Rand der Geländekante entlang, ohne weiter anzusteigen, und folgt der oberen Kante des Höhenrückens oberhalb der Schlucht der Gazelle. Tief darunter fließt der Dolaison ruhig durch sein Tal, beinahe wie ein leises Flüstern. |
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| Nun überlässt sich der Pfad ganz der Natur. Er windet sich zwischen Steinen, Sträuchern und dichtem Buschwerk hindurch, als suche er selbst seinen Weg durch diese ursprüngliche, zugleich aber vertraute Landschaft. |
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| Bei Regen wird dieser Abschnitt zu einer kleinen Übung im Gleichgewicht. Der Wanderer springt von Stein zu Stein, um die Wasserlachen zu umgehen, mal vorsichtig, mal beinahe spielerisch. |
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| Immer wieder schweift der Blick hinunter in das vom Dolaison eingeschnittene Tal, dessen Tiefe einen überraschenden Kontrast zur scheinbar sanften Hochebene bildet. |
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| In dieser beinahe steppenartigen Hochlandschaft, in der stellenweise Granit an die Oberfläche tritt, weidet gelegentlich Vieh auf den kurzen Gräsern. Am Horizont zeichnet sich eine Reihe sanfter Höhenzüge in etwa tausend Metern Höhe ab. Hier beginnt das eigentliche Herz des Velay, eine ausgedehnte Vulkanlandschaft, die Ihnen gegenüber von den Monts du Devès und ihren zahlreichen kleinen Vulkankegeln begrenzt wird. Diese Höhen bilden die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der Loire im Osten und jenem des Allier im Westen. Am Ende des Höhenrückens wird der Weg endlich breiter und beginnt sanft in das Tal hinabzuführen. |
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| Schon bald erreicht er den Ort „La Terre de l’Église“, 1,6 Kilometer von St Christophe-sur-Dolaison entfernt. Hier bestehen die anstehenden Felsen ebenso wie die Wegkreuze aus Granit. Die Steine des Weges hingegen bleiben vulkanischen Ursprungs. |
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| Der Boden scheint zwischen dem Rot des Puzzolans und dem tiefen Schwarz des Basalts zu wechseln. Trotz der vielen kleinen Steine unter den Füßen bleibt das Gehen hier ausgesprochen angenehm. |
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| Bald erscheinen die ersten moosbewachsenen Trockensteinmauern, die dem GR65 seinen unverwechselbaren Charme verleihen, sobald er unter den Bäumen verläuft. |
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| Anschließend führt der Weg sanft bergab und überquert den kleinen Bach La Roche auf einer schmalen Bogenbrücke. Das Wasser fließt ruhig und beinahe lautlos darunter hindurch. |
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| Hier wachsen zahlreiche Eschen und Ahorne. Nach und nach treten auch Eichen hinzu, begleitet von einzelnen Fichten und Kiefern, die bereits den Übergang zu dichten bewaldeten Landschaften ankündigen. |
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| Hinter dem Bach steigt der unbefestigte Weg wieder durch den Wald an. Nach starken Regenfällen verwandeln sich selbst diese sanften Hänge häufig in kleine Wasserläufe, sodass das Wasser den Weg noch vor dem Wanderer benutzt. |
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| Die Vegetation wird nun immer üppiger. Kastanienbäume treten neben Eichen, Ahorne, Buchen und Hainbuchen, als wolle sich der Wald seinen Raum endgültig zurückerobern. |
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| Unter dem dichten Blätterdach, wo Flechten und Efeu die Baumstämme und die alten Trockensteinmauern überziehen, nähert sich der Weg allmählich St Christophe-sur-Dolaison. |
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Abschnitt 3: Nach St Christophe-sur-Dolaison, kleine Steinhäuser inmitten der Landschaft

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Fast durchgehend eben, die Steigung liegt meist unter 5 %.

| Die Strecke setzt ihre Wanderung noch eine Weile durch diese üppige Natur fort. Sie verläuft entlang moosbewachsener Steinmauern und dichter Farnbestände, die als stille Boten von der Feuchtigkeit erzählen, welche diese lichten Waldstücke durchdringt. |
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| Dann, beinahe ohne Übergang, erreicht der Weg St Christophe-sur-Dolaison. |
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| Das Dorf gruppiert sich um einen kleinen Platz, auf dem die Kirche als ruhiges Herz der Gemeinde steht. Sie steht unter Denkmalschutz, stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und bewahrt die Erinnerung an die Hospitaliter von Le Puy ebenso wie an die Tempelritter, die diese Region geprägt haben. Errichtet wurde sie aus vulkanischer Brekzie, einem natürlichen Gesteinskonglomerat, dessen Bruchstücke durch einen Zement aus uralter Vulkanasche miteinander verbunden wurden. Ihre Mauern zeigen ein faszinierendes Farbenspiel von Ocker bis zu tiefem Rot. Gekrönt wird das Bauwerk von einem ungewöhnlichen Glockengiebel mit vier Öffnungen, der an einen Glockenkamm erinnert und zu den charakteristischen Silhouetten dieser Landschaft gehört. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche behutsam verändert, unter anderem durch den Anbau einer Kapelle und einer Treppe. |
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| Im Dorf kann man etwas essen, sofern man zur richtigen Zeit eintrifft. Auf dem Jakobsweg muss man sich häufig auf geschlossene Türen einstellen. Deshalb empfiehlt es sich, bereits am vorherigen Etappenort nach den aktuellen Öffnungszeiten zu fragen. Die Wasserstellen hingegen sind fast immer zuverlässig vorhanden und stellen für durstige Pilger eine willkommene Hilfe dar. Auch hier, wie in so vielen Dörfern des Velay, leuchten die vulkanischen Gesteine an den Hausfassaden in warmen Farbtönen. |
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| Am Ortsausgang von St Christophe-sur-Dolaison folgt die Strecke nach wenigen hundert Metern dem Platz des Waschhauses und führt anschließend hinunter zu einem Tunnel, der unter der Departement Straße D51 hindurch verläuft. |
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| Danach gewinnt eine kleine Straße in sanfter Steigung wieder an Höhe und führt nach Tallode, rund zehn Kilometer von Le Puy-en-Velay entfernt. . |
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| In Tallode bilden die Häuser mit ihren Basaltsteinen ein bemerkenswert harmonisches Ensemble. Die kleinen Weiler entlang des Weges bestehen aus wenigen massiven Häusern, die geschaffen wurden, um die Zeit zu überdauern. Es sind wahrhaft prächtige Gebäude, von denen viele bereits mehrere Jahrhunderte alt sind. Die Menschen haben hier den Granit und den Basalt aus den Felsen gewonnen und die Eichen gerodet, um Bauernhöfe, Scheunen und gelegentlich stattliche Wohnhäuser entstehen zu lassen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass im Velay der Granit schon lange vor allem anderen vorhanden war. Er ist ein ehrwürdiger Herr von rund 300 Millionen Jahren, während Vulkan und Hephaistos gewissermaßen erst vor etwa 15 Millionen Jahren ihre ersten Spiele mit den Gesteinen begannen. Deshalb ersetzt der hervorragend zu bearbeitender Granit mancherorts den Basalt. |
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| Überall begleiten Granitkreuze die Landschaft mit ihrer vertrauten Präsenz und bilden stille Orientierungspunkte zwischen Himmel und Erde. Am Ortsausgang entfernt sich die Straße allmählich in die offene Landschaft und führt in Richtung Liac. |
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| Die kleine Straße zieht sich nun in sanften Wellen durch weite Wiesen und seltener werdende Felder, die von kleinen Eschenhainen gesäumt werden. Herden grasen frei auf den blühenden Weiden und verleihen der Landschaft jene lebendige Ruhe, die den besonderen Reiz dieser Hochflächen ausmacht. |
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| Schon bald erreicht die Straße den kleinen Weiler Liac. Auch hier ist noch ein eisernes Viehbeschlaggestell erhalten geblieben, eine Vorrichtung, mit der früher Ochsen beschlagen wurden und die bis heute an die ländliche Vergangenheit erinnert. |
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| Und wieder entfaltet sich der Zauber dieser vulkanischen Steine, die niemals zufällig in die dicken Mauern der Häuser eingefügt wurden, sondern mit Bedacht für Bauwerke bestimmt waren, die Generationen überdauern sollten. Selbst die neueren Veränderungen scheinen den Geist dieses Ortes respektiert zu haben, als hätte sich jede Ergänzung bescheiden der Erinnerung der alten Steine untergeordnet. |
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| Die schmale Straße führt hier mit stiller Bescheidenheit dahin, als wüsste sie, dass man in den Steindörfern leise sprechen sollte. Zu beiden Seiten erheben sich die dunklen Basalthäuser mit ihren geduldigen und kräftigen Mauern und strahlen jene schlichte Würde aus, die nur Jahrhunderte und der Wind verleihen können. Ihre Fassaden mit den hellen Fugen erinnern an große steinerne Mosaike, in denen jeder einzelne Stein seit jeher seinen Platz gefunden zu haben scheint. Es ist einer jener Orte, an denen die Zeit sich dem Schritt des Wanderers anpasst und ihn niemals zur Eile drängt. |
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| Hier kündigt bereits ein Wegweiser Montbonnet an, das noch fast fünf Kilometer entfernt liegt. Er verspricht eine Straße, die das Vergnügen des Weges ebenso verlängert, wie sie die Geduld des Pilgers auf die Probe stellt. |
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| Der GR65 verlässt Liac und folgt weiter dem Asphalt einer etwas in die Jahre gekommenen kleinen Straße, die sich stellenweise entlang von Steinmauern unter dem lichten Schatten von Eschen und Ahornbäumen dahinschlängelt. |
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| Etwas weiter weicht der Asphalt schließlich einem grauen Erdweg, dessen Farbe noch immer an den benachbarten Basalt erinnert. |
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| Auf diesem friedlichen Abschnitt begegnet man meist nur anderen Pilgern, die wie Sie mit derselben freiwilligen Langsamkeit unterwegs sind, oder gelegentlich einigen Tieren, die über die Wiesen verstreut grasen. Hier wird das Gehen zur Stille und die Stille zum Staunen. |
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| Eine Bank und ein steinernes Kreuz empfangen den Wanderer am Eingang von Lic, wo die Strecke für eine Weile wieder auf Asphalt verläuft. |
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| Der kleine Weiler ist winzig und beinahe menschenleer. Dennoch bleibt er bemerkenswert, denn seine Steinhäuser scheinen den Jahrhunderten getrotzt zu haben, ohne jemals etwas von ihrer Seele einzubüßene. |
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| Am Ortsausgang von Lic öffnet sich erneut die weite Landschaft. Der steinige, gut begehbare Erdweg übernimmt wieder die Führung und lädt dazu ein, den Weg noch weiter fortzusetzen. |
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Abschnitt 4: Die schönen Steine von Ramourouscle und eine einsame Kapelle in der Landschaft

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Der Weg steigt ununterbrochen an, jedoch stets mit weniger als 10 % Steigung, meist sogar mit weniger als 5 %.

| Der Weg steigt nun sanft durch die Landschaft an. Hier und dort ragen große Blöcke vulkanischen Gesteins aus den Feldern, wie Überreste eines alten mineralischen Chaos. Hier herrschen die Wiesen deutlich vor, während die Ackerflächen eher zurücktreten. Man sieht zwar einige Parzellen mit Mais oder Getreide, meist Hafer oder Triticale für das Vieh, denn dieses raue, hoch gelegene Land eignet sich schlecht für Weizen. Was die Linsen betrifft, dieses Juwel von Le Puy, so scheint es, als hätten wir ihr bevorzugtes Gebiet bereits verlassen. |
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| Kurz darauf kreuzt der ockerfarbene Weg, noch bestäubt mit Resten von Puzzolan, eine kleine Straße, über die man das Dorf Les Bains erreichen könnte. Doch der GR65 bleibt seiner Linie treu und führt geradeaus weiter, dicht an Brombeeren und hohem Gras vorbei. . |
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| Weiter vorn überquert er noch eine bescheidene Nebenstraße und setzt seinen Verlauf ohne Zögern fort. An diesem Tag jedoch zieht sich der Himmel nach und nach mit schwereren, dunkleren Wolken zu. Regen ist angekündigt, und selbst die Luft scheint vor dem Schauer den Atem anzuhalten. |
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| Der Weg wechselt nun zwischen klebrigem Schlamm und durchnässter ockerfarbener Erde. Wenn der Frühling hier reichlich Regen gebracht hat, sollte man besser nicht abseits der Spur gehen, denn die Felder verwandeln sich schnell in Fallen, in denen die Schritte einsinken. Die Beschaffenheit des Bodens begünstigt Wasseransammlungen, und man versteht rasch, weshalb hier und dort Schilder bei starkem Unwetter Umleitungen anzeigen. Diesen Rat sollte man ernst nehmen, denn auf diesen Böden erinnert das Wasser schnell daran, dass es hier zu Hause ist. |
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| Und das aus gutem Grund: Weiter vorn verengt sich ein Pfad, bis er fast unpassierbar wird, und schlängelt sich über einige hundert Meter durch einen wahren Dschungel aus hohen Gräsern, als zögere der Weg selbst, seine Straße fortzusetzen. |
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| Auf die Büsche folgt eine eher trübe Ebene, kühl, manchmal schlammig, bei schlechtem Wetter sogar sumpfig. Der schwere Boden ist gewiss fruchtbarer, wenn man die Felder betrachtet, die sich eines hinter dem anderen ausdehnen, doch bei Regen sollte man ihn nicht besuchen. Dann sinkt man in zähen Schlamm ein und trägt ein wenig Velay an den Sohlen der Schuhe mit sich fort. |
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| Der GR65 setzt seine Straße auf festgetretener Erde fort, durchquert vereinzelte Kulturen und offene Wiesen, bevor er die Umgebung von Ramourouscle erreicht. Vor Ihnen zeichnet sich die dunkle Silhouette des Waldes von l’Œuf ab, an die Monts du Devès gelehnt, wie ein geheimnisvoller Saum am Horizont. |
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| Bald trifft der Weg am Eingang von Ramourouscle auf die Straße. Genau hier geraten wir heute in unseren ersten Regenschauer.
Im Verlauf dieser Seiten haben wir uns bemüht, vor allem Etappen im Licht zu zeigen, doch es ist ebenso gerecht, auch die Wahrheit des Weges unter einem weniger milden Himmel zu erzählen. Denn der Pilger hat oft keine Wahl, er geht mit dem Wetter, das ihm gegeben wird. Und der Regen nimmt der Landschaft nicht unbedingt ihre Schönheit, manchmal verleiht er ihr vielmehr eine tiefere Schwere, eine ungeschütztere Seele. |
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Ramourouscle ist ein sehr schönes Steindorf, in dem man das Gefühl hat, einen Boden zu betreten, der seit unvordenklichen Zeiten erstarrt ist. Alles scheint hier leise zu sprechen, aber wahrhaftig. Sogar die Templer haben einst mit ihren Stiefeln diese Orte betreten. Kann man sich eine schönere Ruine wünschen als jene, die im Herzen des Weilers mit stiller Majestät aufragt? Dieses Steinhaus scheint die Jahrhunderte durchquert zu haben, ohne jeden Schritt zu beschleunigen. Dort steht es, in seinem Gehege aus Stille, und trägt an seinen Mauern die geduldige Arbeit der Zeit. Die vulkanischen Steine, ohne jede Prahlerei gefügt, bewahren noch die Erinnerung an die Hände, die sie aufgerichtet haben. Nichts versucht hier zu verführen, vielmehr atmet alles die tiefe Einfachheit von Orten, die Bestand hatten. In der Mitte des Hofes wacht das alte Granitkreuz wie ein unbeweglicher Wächter. Die Zeit ist hier nicht stehen geblieben, sie hat sich nur verlangsamt, gerade genug, damit die Steine, das Moos und der Wind erzählen können, was die Menschen vergessen haben.

| Hier scheint alles aus vulkanischem Stein zu fließen, als wäre der ganze Weiler in einer mineralischen, beinahe heiligen Inbrunst emporgewachsen. Mauern, Schwellen, Einfriedungen, selbst die kleinsten Einzelheiten der Landschaft scheinen aus derselben uralten Lava hervorgegangen zu sein, die von den Menschen geduldig gezähmt wurde. |
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| Und was soll man zu diesem alten Beschlaggestell für Ochsen sagen, das zweifellos zu den bemerkenswertesten auf dem ganzen Jakobsweg gehört? Es zeugt von einer rauen und erfinderischen ländlichen Welt, die heute verschwunden ist, deren Erinnerung jedoch unversehrt geblieben ist. Glücklich ist eine Region, die die Spuren ihrer Vergangenheit mit solcher Treue bewahren konnte. |
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| Hier verleihen diese Steinhäuser der Landschaft eine besondere Magie, ganz gleich, wie abgenutzt oder in welchem Zustand sie sind. Die Bauernhöfe sind oft aus dunklen, unregelmäßigen Basaltblöcken gebaut, verbunden durch breite helle Fugen, die auf den Fassaden eine Art rustikale Spitze zeichnen. Manchmal taucht an der Ecke eines Hofes oder einer Mauer ein alter Brunnen auf, wie ein Überrest aus einer anderen Zeit. |
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| Die Straße entfernt sich von diesem Dorf, in dem kein moderner Bau die Seele des Ortes stört. Hier scheint die Zeit beschlossen zu haben, sich selbst treu zu bleiben, ohne Bruch und ohne Zugeständnis. |
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| Anschließend steigt eine kleine Straße fast zwei Kilometer lang sanft unter Eschen in Richtung Montbonnet an. Man begegnet dort praktisch keinem Auto, nur dem Schritt des Wanderers, dem Atem des Windes und diesem seltenen Gefühl, die Landschaft ganz für sich allein zu haben. |
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| Vor Ihnen rücken die Monts du Devès nach und nach näher, als kämen sie Ihnen entgegen. Ihre dunkler werdende Linie gewinnt mit jedem Schritt an Schärfe und verleiht dem Weg eine neue Tiefe. |
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| Bei Regenwetter kann der Wanderer hier die ganze Vielfalt der Kunstgriffe beobachten, mit denen Pilger den Unbilden des Wetters trotzen, vom improvisierten einfachen Windschutz bis zum vollständigen Regenponcho, der sogar den Rucksack umhüllt. Denn am Ende der Etappe ist es besser, noch ein paar trockene Kleidungsstücke vorzufinden. Auch diese bescheidene Weisheit der Vorsorge lehrt der Weg. |
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| Weiter oben, am Rand der Straße, steht die Kapelle Saint-Roch wie eine Schwelle der Stille zwischen Himmel und Erde. |
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| Die romanische Kapelle steht dort einsam, wie ein friedlicher Halt, der den Reisenden geschenkt wird. Im 10. Jahrhundert errichtet und im Laufe der Zeit verändert, war sie zunächst dem heiligen Bonnet geweiht, bevor sie den Namen des heiligen Rochus erhielt, der zum Schutzpatron der Pilger wurde. Der Jakobsweg ist übrigens von Heiligtümern gesäumt, die unter seinem Patronat stehen, wie geistliche Zufluchtsorte, die auf der Straße verstreut liegen. Einst nahm hier ein Hospiz die vorbeiziehenden Wanderer auf. Es ist verschwunden, doch der Ort bewahrt noch etwas von dieser gastlichen Bestimmung. Auch die Legende hat den Ort nicht verlassen. Man erzählt, die Bewohner von Les Bains, eifersüchtig auf die Verehrung, die Saint-Roch in Montbonnet hervorrief, hätten die Statue des Heiligen zu sich holen wollen. Sie luden sie auf einen Wagen, gezogen von einem Ochsen und einem Esel. Doch unterwegs weigerten sich die beiden Tiere beharrlich weiterzugehen und schlugen mit ihren Hufen so kräftig gegen einen Stein, dass sie dort angeblich für immer ihre Spur hinterließen. So scheinen Glaube, Stein und Legende sich darauf verständigt zu haben, eins zu werden. |
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| Montbonnet liegt gleich darüber, unter Eschen geborgen. Hier wird die Steigung bis zu den ersten Häusern des Dorfes etwas kräftiger, als wolle die Strecke vor dem Empfang der Steine noch eine letzte Anstrengung verlangen. |
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| Montbonnet ist wieder eines jener bemerkenswerten Dörfer, die der Velay aus der Erinnerung der Erde selbst geformt zu haben scheint. Hier steht massiver Basalt neben Tuff, jenem weicheren Gestein, das aus der langsamen Verfestigung vulkanischer Asche entstanden ist. Das Dorf schmiegt sich an den Fuß eines „Suc“, jener eigentümlichen Erhebungen, die die ganze Landschaft des Velay prägen. So nennen die Bewohner diese felsigen, steilen und oft schlanken Kuppen, die aus alten Aufstiegen zähflüssiger Lava hervorgegangen sind. Wer der Via Gebennensis gefolgt ist, hat bereits zahlreiche solcher Formen gesehen, bevor er Le Puy-en-Velay erreichte. Diese „Sucs“ unterscheiden sich von den großen Vulkanen der Auvergne. Hier gibt es keine weiten Krater, die aus heftigen Explosionen entstanden wären, sondern eine zurückhaltendere, beinahe geduldigere Kraft. Bei Temperaturen von 700 bis 800 Grad Celsius sammelten sich die zähflüssigen Laven zu aufeinanderfolgenden Kuppeln. Beim Erkalten zerbrachen sie in Platten und boten den alten Maurern ein ideales Material, um die „Lauzes“ zu schneiden, die noch heute so viele Dächer der Gegend decken. So ist die Geologie bis in die Häuser hinein Architektur geworden. |
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| Die Steinkreuze wachen über den Ort, wie sie über so viele durchquerte Landschaften wachen. Hier sind sie eins mit der Umgebung. An Kreuzungen, auf den Plätzen der Weiler und am Rand der Wege erinnern sie an einen alten Glauben, an eine Frömmigkeit, die ebenso tief in der Erde verwurzelt ist wie in den Gesten. Lange Zeit waren sie die Orientierungspunkte der Bittgänge, der Prozessionen und der Pfarrfeste und prägten das Gebiet mit ihrer vertrauten Gegenwart. |
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| Ein Teil des Dorfes steigt den Suc hinauf, mit Häusern, die sich an den Hang klammern, als weigerten sie sich, dem Relief auch nur ein Stück Boden zu überlassen. Die Strecke jedoch bleibt besonnen weiter unten und führt an schönen Steinhöfen vorbei, deren Silhouette die Bergflanke selbst zu verlängern scheint. |
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| Weiter oben erreicht der GR65 schließlich die große Departement Straße D589 und findet für eine Weile die direktere Achse der Durchquerung wieder. |
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Abschnitt 5: Manchmal durch Pfützen und Schlamm am „Lac de l’Œuf“

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Der Anstieg zum Devès ist zu Beginn recht moderat, wird gegen Ende jedoch sehr steil. Auf der Hochfläche ist es ein wahres Vergnügen, bevor der Abstieg beginnt.

| Auch hier, entlang der Straße, herrschen Basalt und andere vulkanische Steine über die Landschaft. In Montbonnet findet man Unterkunft und Ruhe. Für viele Pilger ist es eine weise Entscheidung, den Weg sanft zu beginnen: Sechzehn Kilometer seit Le Puy-en-Velay genügen vollkommen, um Beine und Herz zufriedenzustellen. |
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| Am oberen Ende des Dorfes verlässt die Strecke die Straße und gleitet hinter soliden Steinhäusern vorbei, von denen einige noch echte, tief in ihrer Erde verwurzelte Bauernhöfe sind. |
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Ein Schild kündigt St. Privat-d’Allier an: noch sieben Kilometer Fußmarsch.

| Nach Montbonnet öffnet sich ein breiter Erdweg sanft ansteigend in die Landschaft. Der Boden, meist schwärzlich, scheint aus Basaltstaub zu bestehen, als hätte der Berg hier ein wenig seiner Asche zurückgelassen. Der Weg führt an weiten Pferdeställen entlang, in denen Pferde gezüchtet werden, ruhige Silhouetten in der feuchten Luft, während sich in der Ferne allmählich der Waldrand des „Lac de l’Œuf“ nähert. |
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| Weiter vorn durchquert der breite Weg die Felder einer kleinen Ebene, steigt zunächst leicht an und senkt sich dann wieder ein wenig. Der Regen hat für eine Weile aufgehört, doch auf diesem Boden, der Wasser schlecht aufnimmt, bleiben die Spuren vergangener Regentage oder des morgendlichen Schauers noch sichtbar. Hier bewahrt die Erde lange die Erinnerung an den Himmel. |
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| Hier gehen Sie bereits auf 1 100 Metern Höhe, und die Kulturen werden selten. Vor allem Wiesen dominieren, offener für Herden als für Ernten. Am Ort Le Chemin de la Baraque bäumt sich der Pfad schließlich auf der festgetretenen Erde auf. Schließlich muss man von Le Puy-en-Velay, das auf 600 Metern liegt, die Höhen des Devès erreichen, die über 1 200 Meter hinausragen. |
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| Die Steigung wird nun bis zum „Lac de l’Œuf“ kräftiger. Der Boden färbt sich braun, als wäre er von Sanden, Kieseln und Tuffen durchdrungen, die das Wasser langsam von den benachbarten „Sucs“ ausgewaschen hat. Die Erde selbst scheint von den Jahrhunderten der Erosion zu erzählen, die sie geformt haben. |
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| Beim Näherkommen an den Wald wird das Gefälle noch deutlicher: Manche Abschnitte erreichen fast 20 % und wechseln zwischen festgetretener Erde und rollenden Steinen. Die Vegetation bleibt noch die der unteren Hänge: Eschen, Sträucher und zahlreiche Hainbuchen in einer pflanzlichen Fülle, die die Anstrengung begleitet, ohne sie je zu beschweren. |
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| Dann, weiter oben, kippt die Landschaft fast mit einem Schlag. Sie treten in die Wälder des „Lac de l’Œuf „ein. Der Weg wird plötzlich friedlicher und führt beinahe eben unter dem gemischten Gewölbe von Laubbäumen, Kiefern und nun zahlreichen Fichten dahin. Die Luft wird kühler und dichter, als würde der Wald sofort seinen eigenen Rhythmus auferlegen. |
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Der höchste Punkt liegt am Ort La Baraque, auf 1 210 Metern Höhe, fünf Kilometer von St. Privat-d’Allier entfernt.
Und dieser berühmte „Lac de l’Œuf“? Man erwarte keinen Wasserspiegel: Er ist nur noch ein großes Torfmoor, eine flache sumpfige Fläche, entstanden aus einem alten „Maar“, wie Geologen sagen würden, jene Gelehrten, die den Zaubertricks der Erde Namen zu geben wissen. Man muss sich hier eine gewaltige Wassertasche vorstellen, gefangen unter einem Vulkanschlot. Als die Hitze aufstieg, verwandelte sich das Wasser in Dampf, der Druck stieg wie in einem verschlossenen Schnellkochtopf, bis zur Explosion. Der Berg flog in Stücke, das Material wurde weit hinausgeschleudert, und der eingestürzte Schlot hinterließ diese große stille Mulde. Doch die Zeit, geduldige Heilerin, nahm ihre Rechte wieder auf: Die Vegetation besiedelte die Wunde, abgestorbene Pflanzen bildeten den Torf, und der Boden wurde zu diesem weichen, schwammigen Teppich, den der Wanderer manchmal unter seinen Schritten leben spürt. Oft saugt sich der Weg dort zwischen den Moosen mit Wasser voll. Zur rechten Jahreszeit kann man sich leicht vorstellen, wie Pfifferlinge ihre goldenen Tupfen im feuchten Unterholz entzünden.

| Heute herrscht trotz des Regens, der den Weg noch nicht völlig ertränkt hat, Ruhe auf dieser breiten Waldpiste. Doch man sollte sich nicht täuschen: Bei schlechtem Wetter kann dieser Abschnitt schnell abenteuerlicher werden. Nach Frühlingen, die allzu großzügig mit Schauern waren, ziehen es viele Wanderer vor, ins Unterholz auszuweichen, um die großen Pfützen zu umgehen, die die Straße versperren. Ein Blick auf den Boden genügt, um zu verstehen: Das Wasser ist bereits zurückgekehrt, treu diesen Böden, die es lange festhalten. |
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| Auf dem Devès bleibt die Atmosphäre dennoch klar, beinahe licht, selbst unter einem schweren Himmel. Die herrlichen Waldkiefern, die Fichten, Ginster, Farne und Büschel rosafarbener Weidenröschen bilden hier eine Landschaft von überwältigender Frische. Die Laubbäume sind nach und nach verschwunden, wie Schnee in der Sonne, und haben einer stärker berggeprägten Vegetation Platz gemacht. |
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| Sie gehen nun über eine Art schwebende Hochfläche. Der GR65 führt zunächst über festgetretene Erde, die von Wasserpfützen manchmal unterbrochen wird, wie lauter Spiegel, die dem Himmel hingehalten werden. |
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| Der Weg erreicht recht bald den Ort Les Tourbières, wo er kurzzeitig wieder auf Asphalt trifft. Hier mündet eine Variante von Les Bains, nahe Montbonnet, in den GR65. Auch eine weitere Strecke, jene der Runde um die Vulkane des Velay, kreuzt diesen Ort. Weiter unten ermöglicht eine Abkürzung noch einmal, die Unterkünfte zu erreichen, ohne sich allzu weit zu entfernen. |
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| Dann folgt der GR65 der Straße nur einige hundert Meter, bevor er erneut auf einen Erdweg abzweigt, der in das kleine Tal führt, als verließe er schon das Licht der Hochfläche, um wieder zur Vertrautheit des Reliefs zurückzufinden. |
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| Nun stürzen Wassermassen auf uns herab. Unter diesem dichten Regen ist der Weg, der in kräftigem Gefälle hinabzieht, nur noch eine flüchtige Linie, kaum sichtbar zwischen Kiefern und Fichten. Durch den Vorhang des Schauers erkennt man nur in kurzen Aufhellungen die Felder von Weidenröschen, die mit ihren Blüten noch einen Farbakzent in das Grau setzen. |
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| Weiter unten lichtet sich der Wald allmählich. Buchen erscheinen wieder, manchmal begleitet von einigen Hainbuchen, als ließe der Berg nach und nach seine harzige Umklammerung los, um zu einer gemäßigteren Sanftheit zurückzufinden. |
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| Noch etwas weiter unten wird die Steigung für einen Augenblick sanfter, als der Weg die Wälder verlässt. Einige Getreide- und Maisfelder säumen nun den Verlauf, nahe einer bewaldeten Garde. Schlechter Asphalt ersetzt die festgetretene Erde, und an den Feldrändern begegnet man wieder dem Holunder und den ewigen Eschen, die hier so viele Landschaften prägen.
Von hier öffnet sich der Blick plötzlich auf die gewaltige Terrasse der Margeride. In der Ferne lassen sich ihre Linien eher erahnen als erkennen, weite dunkle Wellen am Horizont. Für einen Augenblick scheint sich die ganze Welt vor Ihren Augen auszubreiten, während es in Wahrheit nur ein Bruchstück des Gévaudan, des Aubrac und der Margeride ist, das sich Ihnen zeigt. Doch dieses Fragment genügt, um Schwindel zu erzeugen. Das Panorama lädt ebenso zum Träumen wie zur Ruhe ein: Eine schwarze Linie bewaldeter Gipfel schneidet den Himmel, ein langer geheimnisvoller Rücken, auf dem man sich in stürmischen Wintern noch immer Wölfe unter dem Schnee vorstellen kann. Vor zwei Jahrhunderten verbreitete hier ein riesiger Wolf, oder zumindest wollte es die Legende so, Schrecken und erklärte den Menschen den Krieg. Unzählige Treibjagden, eine erbitterte Verfolgung und beinahe der Zufall waren nötig, um ihm nach vielen Dramen ein Ende zu setzen. Die Erinnerung an die Bestie scheint noch immer über diesen Höhen zu schweben. Tief unten gräbt sich der Allier in sein Tal, ohne eine weite Aussicht zu bieten, wie am Grund eines in den Berg gegrabenen Brunnens. Um ihn herum treten die granitischen und gneisischen Höhen der Margeride wie alte Inseln aus einem Ozean von Laven hervor, der einst von den Vulkanen des Velay und des Aubrac herabfloss. Und eben dieser Allier hat geduldig die Basalte geformt, die einst von den Monts du Devès ausgespien wurden. |
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| Dann nimmt die Steigung wieder zu und erreicht fast 15 %. Hier erlaubt eine Abzweigung, Unterkünfte außerhalb der Strecke zu erreichen, eine willkommene Versuchung für alle, denen Müdigkeit oder Regen zur Vorsicht raten. |
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Abschnitt 6: Ein manchmal mühsamer Abstieg nach St Privat-d’Allier

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Beim Abstieg nach St. Privat ist vor allem der letzte Abschnitt mühsam, mit hervortretenden und rutschigen Steinen.

| Stellenweise bilden die Kiefern am Rand der Straße eine wahre Ehrenhecke, als grüßten sie den Durchzug der Wanderer. Hier hat sich eine Familie mit Esel und Gepäck auf den Weg gemacht. Oft ist es das jüngste Kind, das das Vorrecht erhält, hoch auf dem Tier zu sitzen, ein winziger Herrscher im friedlichen Rhythmus des Gehens. Im Sommer reizt ein solches Abenteuer viele Familien, auf kurzen und sorgfältig geplanten Etappen. Irgendwann muss man den Esel schließlich irgendwo zurückgeben. Doch unter diesem Regen, der über das Gesicht rinnt und überall eindringt, ahnt man, dass sich der Zauber der Unternehmung mit einer härteren Wirklichkeit mischt. |
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| Heute verschlechtert sich das Wetter noch ernsthafter: Der Nebel steigt auf, gewinnt die Hänge, verschluckt nach und nach die Landschaft. Unten werden Sie die roten Ziegeldächer von Le Chier nicht sehen, jenem rustikalen Weiler, der sich an den Hang schmiegt und dessen Häuser sich mit beinahe instinktiver Harmonie aneinanderdrängen. |
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| Weiter unten erreicht und überquert der GR65 die große Departement Straße D589, gleich oberhalb von Le Chier. |
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| Hier, an der Bushaltestelle, sind Sie noch 2,3 Kilometer von St Privat-d’Allier entfernt, auf 1 058 Metern Höhe. Dennoch bleiben fast zweihundert Höhenmeter zu verlieren, bevor das Ende der Etappe erreicht ist, was nach einem Regentag noch eine spürbare Anstrengung verspricht. Diese bescheidenen Bushaltestellen dienen zweifellos zuerst den Bewohnern, doch für den durchnässten Pilger bieten sie manchmal einen kurzen Zufluchtsort, eine kostbare Rast unter dem prasselnden Regen. |
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| Le Chier, ein kleiner landwirtschaftlicher Weiler, liegt gleich unterhalb der Abzweigung und ist über eine asphaltierte Straße erreichbar, die unter Eschen hinabführt. Manche Pilger hassen den Regen, andere lieben ihn, bis die Tropfen ihnen schließlich in den Nacken oder über die Stirn laufen. Und doch behalten die Dörfer selbst in diesem nassen Grau ihre Schönheit: Man erkennt nur Umrisse, Mauerstücke, Dächer, die aus dem Nebel auftauchen wie Erscheinungen. Ein Wetter, bei dem man den Hund hinausjagen würde, würden manche sagen, doch der Pilger geht weiter. |
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| In solchen Augenblicken, in denen man den Eindruck hat, die Nacht falle mitten am Tag herein, in denen der Nebel überall eindringt und selbst den Blick verwischt, in denen sogar das Kameraobjektiv Mühe hat, scharf zu bleiben, erkennt man den Wert einer verlässlichen Markierung umso deutlicher. Einige Zeichen an einem Baum, einem Pfosten, einer Kurve: Manchmal genügt das, um Ihnen den Weg zurückzugeben. |
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| Und dann geschieht manchmal ein Wunder, für besorgte Pilger ebenso wie für hartnäckige Fotografen: Eine Öffnung reißt im Grau auf. Plötzlich sieht man einen Weg, der durch eine Lichtung hinabtaucht, zwischen Kiefern, Eschen, Ahornbäumen und Buchen, wie ein Versprechen wiedergefundenen Lichts. |
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| Der Weg steigt dann deutlich hinab, doch ohne Härte, auf einer regelmäßigen Neigung. Bald wird die Erde braun, bald grau, je nach Boden und Steinen, bis er auf einen anderen Weg trifft, der sich ohne Zögern noch tiefer in den kleinen Talgrund stürzt. |
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| Hier wird die Steigung des Pfads bis zum Grund des Tals wirklich strenger. Steine liegen zahlreich auf diesem schlechten kleinen Weg, unregelmäßig und launisch. Bei trockenem Wetter ist das für Knie und Gelenke schon keine Kleinigkeit, doch bei Regen wird Vorsicht zu einer unverzichtbaren Begleiterin, denn das Wasser nutzt den Pfad gern wie einen improvisierten Bach. Der Weg dringt dann in ein grünes Halbdunkel ein, als glitte er nach und nach in das Geheimnis einer anderen Welt. Von alten moosbewachsenen Mäuerchen und durchnässten Böschungen voller wilder Gräser gesäumt, schlängelt er sich zwischen den Bäumen hindurch in einer dichten Stille, die der Regen noch schwerer zu machen scheint. Jeder Stein, jede Wurzel, jedes Blatt glänzt von geduldiger Feuchtigkeit, als wäre der Wald gerade erst aus einem langen Traum erwacht. Der schmale und schlammige Pfad senkt sich vorsichtig in diese pflanzliche Schlucht, wo sich die Äste über dem Kopf des Wanderers fast berühren. Stellenweise verweilt der Nebel zwischen den Stämmen, schwebend wie ein Schleier. Man weiß nicht mehr recht, wo der Weg endet und wo das Geheimnis beginnt. Hier zu gehen bedeutet fast, in sich selbst einzutreten. |
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| Und doch liegt in dieser allgegenwärtigen Feuchtigkeit ein beinahe vollkommenes Vergnügen: das Voranschreiten zwischen knorrigen Wurzeln, moos- und flechtenbedeckten Felsen und Steinen, die unter den Sohlen rollen. Unter dem schützenden Schatten der großen Laubbäume schafft der Wald eine eigene Welt, in der nur Eichen und Kastanien merkwürdigerweise zu fehlen scheinen. |
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| Am Ende des Abstiegs überquert der GR65 den Bach Rouchoux, nahe der verlassenen Mühle von Pique-Meule. So bleiben entlang des Jakobswegs noch einige Geistermühlen, Überreste einer anderen Zeit, deren unbewegliche Räder nie wieder das Wasser schöpfen werden, das einst nötig war, um das Korn zu mahlen. Diese diskreten Ruinen verleihen dem kleinen Tal eine sanfte Melancholie, als trüge das Murmeln des Baches noch die Erinnerung an die Arbeit der Menschen. |
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| Dann erreicht der GR65 rasch wieder die Departement Straße D589 bei den ersten Häusern von St Privat-d’Allier, das auf seinem Felssporn über den Schluchten hängt. Das Dorf erscheint nach der Anstrengung wie eine Schwelle, zwischen Himmel, Stein und Abgrund gesetzt. |
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Heute jedoch ist das Wetter abscheulich. Nebel und Regen halten das Dorf in ihrem Griff, und Sie werden fast nichts davon sehen. Vor Ihnen lässt sich das Schloss kaum erahnen, eine geisterhafte Masse, im Nebel aufgehängt, wie eine schlecht verwischte Erinnerung.

| Machen wir also einen kleinen Schritt zur Seite und versetzen wir uns, allein durch die Magie der Erzählung, in einen Tag ohne Regen. Die Straße führt zum Dorfzentrum, wo sich die meisten Unterkünfte befinden. Hier, oder beinahe hier, gibt es fast nur Pilger, andere Besucher sind selten. St. Privat-d’Allier ist ein liebenswerter, fast unwirklicher Ort mit seinen alten Häusern, die am Rand der Allierschluchten thronen. Mit weniger als fünfhundert Einwohnern scheint das Dorf im Rhythmus der Pilger zu leben, als hätte es sich nach und nach ganz den Vorüberziehenden geschenkt. |
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| Auf den Höhen wacht das Schloss seit Jahrhunderten. Seine Geschichte verbindet sich mit jener der großen Familien der Auvergne: Die Mercœur, die Montlaur und andere haben hier ihre Spuren hinterlassen. Im 18. Jahrhundert zerstört und wieder aufgebaut, während der Revolution geplündert, erhielt es später ein zweites Leben durch Ordensschwestern, die dort eine Schule einrichteten, die 1988 geschlossen wurde. Heute ist es in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Dennoch schien es in den letzten Jahren wieder etwas Schwung gefunden zu haben, wie noch vor Kurzem die Hinweisschilder am Eingang zeigten. Inzwischen scheint dort erneut ungeteilt die Stille zu herrschen. |
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| Die romanische Kirche, wahrscheinlich im 10. Jahrhundert gegründet und im 15. Jahrhundert umgestaltet, vervollständigt dieses Bild eines Dorfes, in dem Geschichte, Glaube und Stein seit jeher im selben Schritt voranzugehen scheinen. |
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Unterkünfte auf der Via Podiensis
- Gîte- Chambres d’hôtes La Maison Vieille, Tallode; 06 15 30 44 36/06 18 11 38 06; Gîte und Pension, Abendessen, Frühstück
- Gîte-Camping à la Ferme, Ramourouscle; 06 44 94 60 70; Zelte, Küche, kleiner Dorfladen
- Gîte L’Escole, Marie-Anick Blanc, Montbonnet; 06 22 71 90 09; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte La Grange, Christian et Françoise Gentes, Montbonnet; 04 71 57 54 44/06 20 74 47 43; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte La Première Étape, Anne et Didier, pèlerins, Montbonnet; 06 21 47 18 96/09 83 87 26 13; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Camping municipal Le Marchat, St Privat d’Allier; 04 71 57 22 13 /mairie); Zelte
- L’Abri du Jacquet, Fréderic Pelletier, Le Bourg, St Privat d’Allier; 04 71 07 75 53; Gîte, Küche, Frühstück
- Gîte Accueil Randonneurs, Sandrine Bec, Le Bourg, St Privat d’Allier; 06 63 90 41 34-707 88 50 76 56; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Le Saint Privat, Salem Taupenas, Place de la Fontaine, St Privat d’Allier; 07 86 45 95 12; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Au Bord du Chemin, Le Saint Privat, Véronique, Le Bourg, St Privat d’Allier; 06 85 02 77 17; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Le Kompost’l, Mr et Mme Fel, St Privat d’Allier; 04 71 57 24 78; Gîte, Abendessen, Frühstück, Küche
- Écogite L’As de Cœur, Chloé et Raphaël, 350 Route de Grays, St Privat d’Allier; 06 35 22 71 17; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte La Petite Place, Place de la Fontaine, St Privat d’Allier; 06 63 12 20 54/06 86 76 27 04; Gîte, Frühstück, Küche
- Chambres d’hôtes Le P’tit Camino, Maggy Bolagnon, Le Bourg, St Privat d’Allier; 04 71 09 03 87/06 18 57 38 39; Pension, Frühstück
- Chambres d’hôtes Le Saint Bernard, Sabine Viala, Le Bourg, St Privat d’Allier; 06 12 29 80 55; Pension, Abendessen, Frühstück
- La Cabourne, Le Bourg, St Privat d’Allier; 04 71 57 25 50; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte- Chambres d’hôtes- Restaurant- Un Escargot dans sa Coquille, Le Bourg, St Privat d’Allier; 06 11 34 31 49; Gîte une Pension, Abendessen, Frühstück
Jahr für Jahr verändert sich der Jakobsweg und erfindet sich mit den Jahreszeiten und den Schritten der Pilger immer wieder neu. Manche Unterkünfte schließen ihre Türen, während andere, bescheiden oder unerwartet, neu entstehen. Es wäre daher unrealistisch, den Anspruch auf eine vollständige und unveränderliche Liste zu erheben. Dieses Verzeichnis umfasst ausschließlich Unterkünfte, die sich direkt an der Strecke oder höchstens einen Kilometer davon entfernt befinden. Die Auswahl wurde 2026 aktualisiert und dürfte sich in den kommenden Jahren nur geringfügig verändern. Wer umfassendere Informationen sucht, kommt an einem Werk nicht vorbei: Miam Miam Dodo, das problemlos online erhältlich ist. Seine größte Stärke liegt in der jährlichen Aktualisierung. Es verzeichnet nicht nur Unterkünfte unmittelbar an der Strecke, sondern auch Häuser, die etwas abseits liegen. Gerade bei starkem Pilgeraufkommen kann dies von großem Wert sein, wenn die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit schwieriger wird. Darüber hinaus bietet das Werk zahlreiche praktische Hinweise, von einladenden Cafés und Restaurants bis hin zu Bäckereien, die unterwegs eine willkommene Rast ermöglichen. Neben diesen klassischen Informationsquellen ist heute auch Airbnb nicht mehr wegzudenken. Die Plattform hat sich selbst in abgelegenen und dünn besiedelten Regionen zu einer wichtigen Adresse für Reisende entwickelt. Da die genauen Standorte der Unterkünfte jedoch nicht unmittelbar angezeigt werden, ist eine gewisse Vorausplanung erforderlich. Auf dem Jakobsweg hängt die Suche nach einem freien Bett in letzter Minute manchmal vom Zufall ab. Doch auf den Zufall sollte man sich nicht verlassen. Eine rechtzeitige Reservierung ist deshalb dringend zu empfehlen. Erkundigen Sie sich bei der Buchung außerdem, ob Abendessen und Frühstück angeboten werden. Diese scheinbar kleinen Details können die Mühen einer Tagesetappe erheblich erleichtern.
Wenn man die Übernachtungskapazitäten betrachtet, stehen vor St Privat rund 85 Betten zur Verfügung. Dies lässt vermuten, dass viele Pilger ihre Tagesetappe bereits vorher beenden. In St Privat selbst erweitert sich das Angebot auf nahezu 190 Betten. Da auf der Via Podiensis in der Hauptsaison gewöhnlich zwischen 100 und 200 Pilger unterwegs sind, dürfte diese Etappe hinsichtlich der Übernachtungsmöglichkeiten keine besonderen Schwierigkeiten bereiten. Dennoch empfiehlt es sich, die Unterkunft im Voraus zu reservieren. Diese Strecken führen durch oft dünn besiedelte Regionen, in denen es nur wenige Einkaufsmöglichkeiten gibt. Restaurants sind selten, ebenso kleine Dorfläden, die häufig lediglich als Brotverkaufsstellen dienen und nur eine begrenzte Auswahl an Gemüse und Milchprodukten anbieten. Verpflegungsmöglichkeiten finden sich jedoch in St Christophe-sur-Dolaison, Montbonnet, St Privat-d’Allier und Lac, willkommene Rastplätze in diesen abgeschiedenen Landschaften. Wasserstellen sind entlang der Strecke dagegen recht regelmäßig vorhanden. Sie befinden sich in St Christophe-sur-Dolaison, Ramourouscle, Montbonnet und Le Chier. Einige verfügen über sanitäre Anlagen, häufig in Form von Trockentoiletten, insbesondere in Montbonnet und Le Chier. Am Etappenziel bietet St Privat etwas mehr Komfort. Zahlreiche Unternehmen bieten außerdem einen Gepäcktransport oder einen Rücktransfer zum Ausgangspunkt an. Unter ihnen gilt La Malle Postale als die bekannteste und zuverlässigste Adresse.
NZögern Sie nicht, Kommentare hinzuzufügen. Oft ist dies der Weg, um in der Google-Hierarchie aufzusteigen, sodass mehr Pilger Zugang zur Website erhalten.
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Nächste Etappe : Etappe 2: Von St Privat d’Allier nach Saugues |
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