Unter der Eiffelbrücke fließt der Allier
DIDIER HEUMANN, ANDREAS PAPASAVVAS

Wir haben die Route in mehrere Abschnitte unterteilt, um die Übersichtlichkeit zu erleichtern. Für jeden Streckenabschnitt zeigen die Karten die Route, die Steigungen entlang des Weges und den Zustand des GR65. Die Routen wurden auf der Plattform „Wikiloc“ erstellt. Heutzutage ist es nicht mehr notwendig, detaillierte Karten in der Tasche oder im Rucksack mitzuführen. Mit einem Mobiltelefon oder Tablet können Sie die Route ganz einfach live verfolgen.
Für diese Strecke finden Sie hier den Link:
https://fr.wikiloc.com/itineraires-randonnee/de-st-privat-dallier-a-saugues-par-le-gr65-29678071
|
Nicht alle Pilger sind unbedingt mit der Nutzung von GPS oder der Navigation über das Smartphone vertraut, zumal es noch viele Gegenden ohne Internetverbindung gibt. Deshalb ist zur Erleichterung Ihrer Reise ein Buch über die Via Gebennensis durch die Haute-Loire auf Amazon erhältlich. Dieses Werk ist weit mehr als nur ein praktischer Reiseführer: Es begleitet Sie Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, und bietet Ihnen alle nötigen Informationen für eine entspannte Planung ohne böse Überraschungen. Doch über die nützlichen Ratschläge hinaus entführt es Sie auch in die zauberhafte Atmosphäre des Weges – es fängt die Schönheit der Landschaften ein, die Erhabenheit der Bäume und das Wesen dieses spirituellen Abenteuers. Nur die Bilder fehlen – alles andere ist da, um Sie mitzunehmen auf diese Reise.
Ergänzend dazu haben wir auch ein zweites Buch veröffentlicht, das mit etwas weniger Detailtiefe, aber mit allen wesentlichen Informationen den gesamten Weg vom Le Puy-en-Velay bis nach St Jean-Pied-de-Port beschreibt. Sie haben die Wahl, welcher Strecke Sie folgen möchten.
|
 |
 |
Wenn Sie nur die Unterkünfte der Etappe einsehen möchten, scrollen Sie direkt zum Ende der Seite.
Die Schluchten des Allier bilden die natürliche Grenze zwischen den dunklen Basaltlandschaften des Devès im Osten und den hellen Granitlandschaften der Margeride im Westen. Heute befinden Sie sich im Haut Allier, einer Übergangsregion zwischen den Bergen des Velay und der Margeride. Der Allier ist ein wilder Fluss, dessen Schluchten der Landschaft einen ebenso großartigen wie schwindelerregenden Charakter verleihen. Das Tal des Haut Allier präsentiert sich mit tief eingeschnittenen Landschaften. Zwischen der Loire und dem Allier haben die Vulkane an den Hängen des Mont Devès ihre Lavaströme ausgebreitet und dadurch die Flussläufe verändert. Sie haben die Landschaft geformt und stellenweise tiefe Einschnitte sowie sehr enge Talsohlen entstehen lassen, wie etwa bei Monistrol d’Allier. Der Allier hat sich in den Granit der Margeride eingeschnitten, das älteste Gestein des französischen Zentralmassivs. Die komplizierten Mäander des Haut Allier sind das Ergebnis der Anstrengungen des Flusses, die Hindernisse zu umgehen, welche durch die Lavaströme des Devès entstanden waren und sein Bett versperrten. An den weniger sonnenexponierten Talhängen sind dichte Wälder aus Nadel- und Laubbäumen gewachsen. Vor allem Waldkiefern und Stieleichen prägen das Bild, dazu kommen stellenweise Weiden und Erlen entlang der Flüsse. An manchen Stellen ist der Allier beinahe unzugänglich. Auf der gegenüberliegenden Talseite bedecken Wiesen sowie Heideflächen mit Besenheide und Ginster die Basaltfelsen und die Hochflächen. Sie bilden gleichsam schwebende Terrassen über dem Fluss und ermöglichten den Menschen, sich hier niederzulassen. Die kleinen, abgelegenen Dörfer scheinen zwischen den matten Basalten und den glänzenden Graniten zu stehen. Auch die Eisenbahn hat das Tal geprägt. Der Zug Paris Marseille, der seit 1955 den Namen Cévenol trägt, durchquert das Département Haute Loire auf seinem Weg durch die Schluchten des Allier.
Bevor Sie die Straße einschlagen, noch ein kurzer Blick auf die Geografie. Gehören Flüsse nicht untrennbar zu den Landschaften, denen man auf dem Weg begegnet? Da wir im Verlauf der Reise zahlreiche Flüsse begleiten oder überqueren werden, lohnt sich ein etwas genauerer Blick. In dieser Region, in der der Granit des Zentralmassivs auf die Basaltströme der einstigen Vulkane trifft, entspringen einige der bedeutendsten Flüsse Frankreichs. Es ist bemerkenswert, dass so große Flüsse ihren Ursprung in einer Landschaft niedriger Mittelgebirge haben. Die Loire, der Lot, der Allier und die Truyère entspringen alle südlich des Velay oder in den Cevennen der Lozère, in der Nähe von Mende. Der Allier, an dessen Ufern wir uns heute befinden, entspringt am Moure de la Gardille. Anschließend fließt er nach Norden über Brioude, Issoire, Clermont Ferrand, Moulins und Vichy, bevor er bei Nevers in die Loire mündet. Diese Region bildet zugleich die Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer. Tatsächlich erreicht lediglich die Ardèche das Mittelmeerbecken. Der Lot, der Tarn, der Allier, aber auch kleinere Flüsse wie der Bès oder die Truyère entspringen alle in der Lozère. Nur die Loire hat ihre Quelle etwas weiter östlich.
Der Weg führt in südwestlicher Richtung weiter und durchquert das Becken des Allier. Die gesamte Etappe verläuft innerhalb des Départements Haute Loire. Die Landschaft ist hier von tiefen Brüchen und schroffen Formen geprägt. Die Etappe ist zwar kurz, verlangt dem Pilger jedoch alles ab und zählt zu den anspruchsvollsten Abschnitten des Jakobswegs in Frankreich.
Schwierigkeitsgrad der Strecke: Die Etappe ist kurz, aber sehr fordernd, mit beträchtlichen Höhenunterschieden (+678 Meter/ -606 Meter) auf einer vergleichsweise kurzen Distanz. Der Tag beginnt mit einem sanften Anstieg nach Rochegude. Von dort eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf den markanten Taleinschnitt des tiefen Haut Allier. Anschließend folgt ein steiler Abstieg über Felsen und Wurzeln nach Monistrol, wo der Weg den Fluss Allier überquert. Während die Strecke nach Monistrol d’Allier hinabführt, fällt der Blick unweigerlich auf Escluzels, das hoch über der gegenüberliegenden Felswand liegt und zu dem der nächste Anstieg führt. Tatsächlich gilt dieser Aufstieg für viele als eine der gefürchtetsten Anstrengungen auf dem Jakobsweg. Zum Glück wird die Steigung ab Montaure allmählich sanfter. Von dort an betreten Sie das geheimnisvolle Gévaudan, jene Landschaft der Margeride, die lange Zeit von der schrecklichen Bestie des Gévaudan in den Legenden beherrscht wurde.

Zustand des GR65: Die Anteile an asphaltierten Straßen und Wanderwegen sind nahezu ausgeglichen:
- Asphalt : 10.0 km
- Wanderwege : 9.2 km
Manchmal, aus logistischen Gründen oder wegen der Unterkunftsmöglichkeiten, kombinieren diese Etappen Strecken, die an verschiedenen Tagen zurückgelegt wurden, da wir diese Routen mehrmals durchlaufen haben. Daher können Himmel, Regen oder Jahreszeiten variieren. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall, und tatsächlich ändert es nichts an der Beschreibung der Strecke.
Es ist sehr schwierig, die Steigungen der Routen mit Sicherheit anzugeben, unabhängig davon, welches System Sie verwenden.
Für die tatsächlichen Höhenunterschiede lesen Sie bitte die Hinweise zur Kilometerangabe auf der Startseite noch einmal durch.

Abschnitt 1: Am Hang durch die Landschaft von Saugues

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Auf dem gesamten Abschnitt erwartet Sie lediglich eine sanfte Steigung.

|
Der GR65 verlässt St Privat d’Allier und steigt oberhalb des Dorfes an, als wolle er der hoch gelegenen Ortschaft und der beeindruckenden Öffnung des Haut Allier, die sich tief darunter ausbreitet, einen letzten Gruß erweisen.
|
 |
 |
|
Vom Kalvarienberg aus lohnt sich der Blick auf das Dorf und das tief unten liegende Tal des Allier in jeder Hinsicht. Die Dächer schmiegen sich an den Hang, die Schluchten öffnen sich wie eine uralte Wunde, und der Blick erfasst plötzlich die ganze Tiefe dieser eindrucksvollen Landschaft.
|
 |
 |
|
Man muss allerdings zugeben, dass dieser kleine Abstecher auch seine Tücken hat. Kaum hat man den Kalvarienberg erreicht, geht es fast sofort wieder bergab, um die D301 zu erreichen, die das Dorf wesentlich sanfter verlässt.
|
 |
 |
|
Um Ihnen den Start zu erleichtern und eine steile Steigung am frühen Morgen zu ersparen, können Sie das Dorf einfach über die Straße zur Kapelle von Rochegude verlassen und später wieder auf den Verlauf des GR65 treffen. An der eigentlichen Erfahrung ändert das nichts. Allmählich verlassen Sie das Velay und betreten eine neue Welt, die Margeride und das Gévaudan, weite, raue und beinahe geheimnisvolle Landschaften.
|
 |
 |
| Deshalb wird die Wanderung jedoch keineswegs leichter. Der Jakobsweg liebt Gegensätze, neue Anstrengungen und Abstiege, auf die unmittelbar der nächste Aufstieg folgt. Nur wenige hundert Meter weiter wiederholt sich das gleiche Spiel. Am Ortsrand von St Privat d’Allier verlässt der GR65 den Asphalt und führt steil auf einen schlechten Weg voller großer Steine, die bei Regen äußerst rutschig werden. All dies nur, um den kleinen Bach Planchette zu überqueren und anschließend sofort wieder steil zur Straße hinaufzusteigen. Der Jakobsweg besitzt bisweilen einen ganz eigenen Sinn für Humor. |
 |
 |
| Ein Hinweisschild empfiehlt übrigens, diesen Abschnitt bei nassem Wetter besser zu meiden. Dieser Rat sollte unbedingt beachtet werden. Nehmen Sie in diesem Fall einfach die Straße. Ihre Strecke ist kein Test des Mutes, denn auch Umsicht gehört zum Pilgern. |
 |
 |
| Ganz gleich, ob Sie den Abstieg zum Bach oder die sicherere Straße gewählt haben, der GR65 verlässt schließlich erneut die Fahrbahn und steigt kräftig in Richtung Combriaux an. Schon bald findet der Schritt wieder seinen vertrauten Rhythmus zwischen Müdigkeit, Geduld und dem Blick zum Horizont. |
 |
 |
| Hier erwartet Sie ein ausgesprochen steiniger Weg durch einen Wald, in dem Buchen und Hainbuchen das Bild bestimmen. Er schlängelt sich an alten Steinmauern entlang, die teils die Böschungen stützen, teils so harmonisch angelegt sind, als dienten sie allein der Schönheit der Landschaft. Am Ende dieses grünen Tunnels erreicht der Weg den kleinen Weiler Combriaux. |
 |
 |
| Combriaux besteht nur aus wenigen massiven Häusern, die aus vulkanischem Gestein errichtet wurden, als wären sie für die Ewigkeit gebaut. Beim Gedanken an vulkanisches Gestein denkt man unwillkürlich an schwarzen Basalt. Das stimmt zwar, greift jedoch zu kurz. Selbst Basalt zeigt zahlreiche Farbtöne, und der Vulkanismus des Velay hat hier noch viele andere Gesteinsarten hinterlassen. Tuff, Dazit und Trachyt mischen sich mit den dunkleren Steinen in Fassaden und Mauern und verleihen den Häusern überraschende Farbnuancen. Aus der Ferne könnte man manche Gebäude beinahe für Kalksteinbauten halten, soweit entfernen sich ihre Farben von der üblichen Vorstellung erstarrter Lava. |
 |
 |
| Hinter den letzten Häusern des verlassen wirkenden Weilers steigt ein Pfad erneut durch etwas verwilderte Wälder an, zwischen Sträuchern, Haselbüschen und Hainbuchenhecken. Der Weg scheint sich durch eine Vegetation zu bewegen, die sich ein Stück ihrer ursprünglichen Wildheit bewahrt hat. |
 |
 |
| Oben angekommen, wo die Nadelbäume zahlreicher werden, erreicht der Pfad zwischen Ginster und hohem Gras die kleine Straße nach Rochegude. |
 |
 |
| Das gleiche Bild setzt sich zu Beginn dieser Etappe fort. Die Straße steigt sanft nach Rochegude an und ist fast menschenleer, abgesehen von einigen Pilzsammlern in den Wäldern. Doch die Strecke bleibt ihrem verspielten Charakter treu und wechselt ständig ihre Führung, einmal oberhalb der Straße, dann wieder darunter oder unmittelbar an ihrem Rand. Wenn Sie Freude an solchen Abwechslungen haben, folgen Sie dem Pfad. Andernfalls bringt Sie auch die Straße ans Ziel, und ein breiter Grasstreifen erlaubt es sogar, den Asphalt weitgehend zu meiden. Jeder wählt seinen eigenen Rhythmus und seine eigene Art des Genusses. |
 |
 |
| Unabhängig von Ihrer Entscheidung folgt wenig später erneut ein kurzes Stück Straße. Dann führt der GR65 wieder oberhalb der Straße weiter, fast so, als wolle er daran erinnern, dass er selbst über den Verlauf im Gelände bestimmt. Folgen wir ihm also. |
 |
 |
| Ob Weg oder Straße, stets begleitet Sie der Wald. Das Departement Haute Loire gehört zu den waldreichsten Regionen Frankreichs. Fast vierzig Prozent seiner Fläche sind bewaldet. Rund 75 000 Waldbesitzer gibt es hier, und neunzig Prozent der Wälder befinden sich in Privatbesitz, so sehr, dass manche Eigentümer gar nicht wissen, dass ihnen einige Parzellen gehören. Hier wirkt der Wald dicht und beinahe allgegenwärtig. |
 |
 |
| Schon bald folgt wieder ein kurzes Stück Asphalt, danach erneut ein Erdweg, diesmal unterhalb der Straße. Die Strecke scheint mit sichtlichem Vergnügen mit den Formen des Geländes zu spielen. |
 |
 |
| Der Wald wird noch dichter. Mächtige Buchen konkurrieren mit Eichen, Kiefern und Fichten um die größte Höhe. Viele verwechseln Hainbuche und Buche, und tatsächlich ähneln sich ihre Silhouetten manchmal. Wer jedoch genauer hinsieht, erkennt den Unterschied sofort an den Blättern. Beide Baumarten wachsen hier nebeneinander, auch wenn entlang des Jakobswegs die Buchen meist überwiegen. Die Hainbuchen erscheinen vor allem als dichte Hecken und bleiben bescheidener als die hohen Buchenstämme. Ähnlich verhält es sich mit Fichten und Tannen. Aus der Ferne wirken sie fast gleich, doch die Zapfen auf dem Waldboden verraten rasch ihre wahre Identität. Hier dominieren eindeutig die Fichten, während Weißtannen und Douglasien seltener anzutreffen sind. Dieses ganze Reich der Bäume lebt im Einklang mit Moosen, großen Farnen und wilden Gräsern. Ein Paradies für Pilze und für Wanderer, die sich ihre Freude am Staunen bewahrt haben. |
 |
 |
| Kurz darauf verlässt der Weg den Wald. |
 |
 |
| Er erreicht einen Picknickplatz mit einer unauffälligen Trockentoilette am Ortseingang von Rochegude. Nach den Waldabschnitten und den ständigen Auf und Abs wirkt dieser Platz beinahe wie ein Übergang zwischen zwei Welten. |
 |
 |
| Rochegude liegt nur wenige Schritte entfernt. Das ehemalige befestigte Dorf hatte einst die Aufgabe, die Zugänge aus dem Gévaudan zu überwachen. Heute besteht der Weiler nur noch aus einigen Steinhäusern, die sich eng an den Berghang schmiegen und dicht aneinander stehen, als wollten sie gemeinsam der Zeit trotzen. Man kann zwischen den Scheunen umherstreifen, durch Fenster, Gärten oder Tore spähen und auf ein Zeichen von Leben hoffen. Meist begegnen einem jedoch nur Stille und Leere. Eine fast steinerne Ruhe liegt über den Dächern, lediglich unterbrochen vom leisen Plätschern eines Brunnens, dessen Wasser nicht immer trinkbar ist. Wahrscheinlich treffen Sie hier eher andere Pilger, die ihren Rucksack für eine Rast abgestellt haben, als Dorfbewohner. Das Dorf wirkt beinahe verlassen, als hätte der über ihm aufragende Berg es nach und nach in seine eigene Einsamkeit aufgenommen.
Dennoch herrschte hier einst reges Leben, als Rochegude noch die Rolle eines vorgeschobenen Wachpostens erfüllte. Sein Name soll sich von roca aguda, dem spitzen Felsen, ableiten. Bereits im 13. Jahrhundert gehörte der Bergfried der mächtigen Familie Montlaur. Von der Burg ist heute nur noch der Turm erhalten, letzter Zeuge einer Zeit des Wachens und Vorüberziehens. Er erhebt sich noch immer stolz und zugleich zerbrechlich auf seinem Felsvorsprung hoch über den Schluchten des Allier. Unweit davon wacht auch eine kleine romanische, dem heiligen Jakobus geweihte Kapelle aus dem frühen 14. Jahrhundert über die Landschaft. Einst war dieser Ort eine bedeutende Raststätte für die Pilger des Mittelalters. Noch heute scheint der Geist des Jakobswegs hier spürbar zu sein. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn die steilen Abgründe rund um den Aussichtspunkt erinnern daran, dass die Schönheit dieser Landschaft niemals ganz ungefährlich ist. Der Ausblick entschädigt jedoch für jede Mühe. |
 |
 |
| Der Blick über das Haut Allier ist überwältigend. Am Horizont schließen sich endlose Wälder, während sich das Tal des Allier wie ein tiefer Einschnitt zwischen den Felswänden öffnet. Vor Ihnen entfaltet sich eine raue, beinahe feierliche Landschaft. Zugleich wird deutlich, dass Sie früher oder später auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinaufsteigen müssen, um diese wilde Schlucht zu verlassen. |
 |
 |
| Ab Rochegude beginnt ein Pfad ohne jede Schonung steil bergab. Mehr als hundert Höhenmeter verlieren sich auf einem steilen, steinigen und von Wurzeln durchzogenen Weg. Zunächst verlässt er den Weiler zwischen Sträuchern, Eschen, Brombeeren und alten Steinmauern. |
 |
 |
| Nach und nach erscheinen Kiefern, Eichen und Buchen, während sich der Pfad dem steilsten Abschnitt des Abstiegs nähert. Manche Passagen überschreiten deutlich 40% Gefälle. Gefährlich ist dieser Abschnitt nicht, doch jeder Schritt verlangt Aufmerksamkeit, Gleichgewicht und Vertrauen. |
 |
 |
| Der Wald wird nun prachtvoll, manche würden sogar sagen, einschüchternd. Das Tal verengt sich immer mehr, bis es stellenweise zur eigentlichen Schlucht wird. Der Pfad windet sich durch eine Landschaft von ursprünglicher Schönheit, mit gedrungenen, vom Wind geformten Kiefern, die wie uralte Patriarchen wirken, und mächtigen, moosbewachsenen Granitfelsen. Selbst Ahornbäume und Kastanien, die in dieser Region eher selten sind, scheinen sich dieser eindrucksvollen Gemeinschaft angeschlossen zu haben. Ringsum wächst dichtes Unterholz, das stellenweise nahezu undurchdringlich erscheint. |
 |
 |
 |
 |
| Manchmal könnte man glauben, die Kiefern wüchsen direkt aus den zerklüfteten Granitplatten heraus, so eng scheinen sie mit dem nackten Felsen verbunden zu sein. Vielleicht begegnen Sie hier auch einigen Mountainbikern, die anspruchsvollen Strecken und starke Eindrücke suchen. Für sie wie für die Wanderer verläuft dieser Pfad oft auf dem schmalen Grat zwischen Begeisterung und Vorsicht. Ein wunderbarer Abschnitt, vorausgesetzt, der Tritt bleibt sicher. |
 |
 |
Abschnitt 2: Monistrol d’Allier, zwischen anstrengendem Abstieg und mühsamem Aufstieg

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Unten nach dem schwierigen Abstieg folgen einige harmlose Wellen, danach wird die Steigung beim Annähern an Monistrol d’Allier wieder deutlich stärker. Gleich nach dem Verlassen des Dorfes beginnt der mühsame Anstieg nach Escluzels.

| Manchmal scheint sich die Steigung etwas zu mildern, allerdings nur mit beinahe spöttischer Zurückhaltung. Der Pfad führt weiter bergab, bald auf einem schmalen Weg, der sich mit fast spielerischer Eleganz durch den Hang windet und von einer Granitplatte zur nächsten springt, als könne er sich nicht zwischen Leichtigkeit und Schwindel entscheiden. |
 |
 |
| Mitunter haben Sie sogar den Eindruck, die Kiefern seien unmittelbar aus dem Felsen gewachsen, so eng umschlingen ihre Wurzeln den Stein. Sie wachsen nicht auf dem Granit, vielmehr scheinen sie aus ihm hervorzutreten. |
 |
 |
| Schließlich wird der Pfad stellenweise etwas sanfter und lässt sich von den Farnen, die seine Ränder säumen, beinahe zähmen. Sie verleihen ihm eine weichere, freundlichere Gestalt. |
 |
 |
| Dann erreichen Sie das Ende dieses Vergnügens, oder zumindest das, was wie dessen letzter Höhepunkt wirkt. Viele Pilger atmen hier tief durch, wenn sie eine letzte steile Granitrampe vor sich sehen, rau und eindrucksvoll, die den Blick auf eine offenere Landschaft und die unten verlaufende Straße freizugeben scheint. Noch ein letztes Aufbäumen des Weges, bevor Erleichterung eintritt. |
 |
 |
| In Pratclaux haben Sie erst die Hälfte des Abstiegs bis zum Talboden hinter sich. Nun scheint jedoch das Schwierigste überstanden zu sein. Das Gefälle wird sanfter, die Felsen verschwinden allmählich, und die Landschaft öffnet sich zu einer ruhigeren, ländlichen Umgebung. Der GR65 folgt zunächst ein kurzes Stück der asphaltierten Straße. |
 |
 |
| Dann entscheidet er sich für einen kleinen Abstecher durch den Weiler und führt entlang einer Allee aus hohen Eschen und prächtigen Ahornbäumen. Wer es eilig hat, kann auf der Straße bleiben und später wieder auf den Hauptverlauf treffen. Doch damit würde man auf einen jener kleinen Umwege verzichten, die den eigentlichen Reiz der Reise ausmachen. |
 |
 |
| Andernfalls entgehen Ihnen diese mächtigen Häuser, deren vulkanische Steine im Sonnenlicht fast zu glühen scheinen. Ein Pfad führt hinter den Gebäuden vorbei, die wie Festungsmauern errichtet wurden, solide und schweigsam, als sollten sie der Zeit selbst trotzen. |
 |
 |
| Auf den ersten Blick scheint hier niemand mehr zu leben. Geschlossene Fensterläden, dicke Mauern und stille Innenhöfe verleihen dem Weiler etwas Zeitloses, als sei er in einer anderen Epoche stehen geblieben. Diese Häuser erzählen von vergangenen Zeiten, langen Wintern, sorgfältig angelegten Vorräten und Marmeladengläsern, die noch immer auf kühlen Regalen zu stehen scheinen. In dieser Stille liegt beinahe etwas Heiliges. |
 |
 |
| Und doch stellt sich die Frage, ob wirklich niemand mehr hier wohnt, wenn man die geparkten Autos betrachtet. Die Moderne hinterlässt bisweilen ihre weniger glücklichen Spuren. Manche Bewohner stellen am Straßenrand ungewöhnliche Kunstobjekte auf, die mit der Harmonie des Ortes etwas fremd wirken. In einem so schönen Dorf überrascht und stört dieser Kontrast. |
 |
 |
| Am Ende des Weilers trifft der GR65 weiter unten wieder auf die Straße, die er kurz zuvor verlassen hat. Landwirtschaft ist hier kaum noch zu sehen. Hohe Strommasten durchziehen die Landschaft, metallene Silhouetten, die weit weniger Poesie ausstrahlen als die Bäume, die sie ersetzen. |
 |
 |
| Es folgt ein schmaler Pfad durch hohes Gras, der bei schlechtem Wetter mitunter schwierig zu begehen ist. Die großen Bäume sind fast verschwunden, nur einzelne Eschen sind geblieben, als hätte die Landschaft sie vergessen. Glücklicherweise ist dieser Abschnitt nur kurz, und bald erreicht der Weg wieder die Straße, die von Pratclaux nach Monistrol d’Allier hinunterführt. |
 |
 |
| Nach einigen Dutzend Metern auf Asphalt biegt der GR65 an einer eindrucksvollen Steinscheune erneut auf einen Weg ab. Hier genießt eine kleine Familie ihr eigenes Stück Jakobsweg. Der stoische Esel hat das hohe Gras wohl bereits geduldig ertragen. Die jüngste Tochter sitzt ernst und glücklich auf dem Packsattel, während die anderen tapfer weitergehen, vielleicht insgeheim davon träumend, selbst bald an der Reihe zu sein. |
 |
 |
| Ein breiter Erdweg führt anschließend ruhig über die Hochebene. Der Blick kann sich zwischen Himmel und Landschaft erholen, bis die Felder nach und nach kleiner werden und sich auflösen, als kündige die Landschaft selbst den nächsten Bruch bereits an. |
 |
 |
| Am Rand der Hochebene fällt der Weg erneut zum Talboden hinab. Von hier an wird das Gefälle wieder deutlich stärker und überschreitet stellenweise zwanzig Prozent. Der Pfad ist anspruchsvoll, mit großen Steinen, lockerem Untergrund und dichtem Gebüsch. Dieser Abstieg verlangt ebenso viel Aufmerksamkeit wie Ausdauer. |
 |
 |
| Auf diesen kargen, steinigen Böden halten sich nur noch kleine, vom Wind gezeichnete Eichen. Die Eschen sind verschwunden, als wären sie von der Strenge der Felsenlandschaft verdrängt worden. Mit jedem verlorenen Höhenmeter wirkt die Landschaft schlichter und karger. |
 |
 |
| Weiter unten erreicht der steile Pfad beim Weiler Le Vivier wieder die Straße von Pratclaux, weniger als einen Kilometer vor Monistrol d’Allier. Nach all den Steinen und schrägen Passagen wirkt der Asphalt beinahe wie eine Belohnung für die müden Beine. |
 |
 |
| Der GR65 folgt nun dieser geraden Straße, die wieder von Laubbäumen gesäumt wird. Die Nadelbäume sind verschwunden, als wäre das Gebirge mit der Öffnung des Tales gastfreundlicher geworden. Eichen und Buchen begleiten den Wanderer nun mit einem sanfteren und großzügigeren Schatten. |
 |
 |
| Noch etwas tiefer beschreibt die Straße eine enge Kurve, und plötzlich erscheint tief unten das Dorf. Monistrol d’Allier liegt am Flussufer, eingebettet am Eingang einer tiefen Schlucht, wie ein langes verborgenes Refugium. |
 |
 |
| Nun brauchen Sie nur noch der Straße unter den Eichen und Buchen zu folgen. Das Dorf erwartet Sie, eingebettet zwischen Wasser, Stein und der stillen Kulisse der Berge. |
 |
 |
| Die abfallende Straße erreicht bald die ersten Häuser des Dorfes. Fast selbstverständlich bestehen sie aus den großen dunklen Quadern vulkanischen Gesteins, die den Fassaden eine ruhige Kraft verleihen, als wäre das ganze Dorf unmittelbar aus dem Berg selbst hervorgegangen. |
 |
 |
| Unterhalb des Dorfes erkennt man die Eisenbahnlinie. So überraschend es in dieser abgelegenen Schluchtenlandschaft erscheinen mag, hier kann man tatsächlich den Zug nehmen. Die Cevennen Bahn zwischen Clermont Ferrand und Nîmes hält in Monistrol d’Allier und verleiht diesem Ort eine unerwartete Besonderheit. |
 |
 |
| Die Straße führt am Rathaus vorbei und senkt sich anschließend zum Fluss hinab. Hoch oben zeichnet sich bereits Escluzels ab. Sein Name kündigt den nächsten Anstieg an, den Sie nach einer kurzen Erholung in Angriff nehmen werden. |
 |
 |
| Monistrol d’Allier ist ein kleines Juwel, das sich beiderseits des Allier ausbreitet. Gewiss erinnern ein Staudamm und ein Wasserkraftwerk an die Gegenwart, doch sie mindern den besonderen Reiz dieses Ortes keineswegs. Umgeben von steilen Schluchten und lange Zeit nur schwer erreichbar, zieht sich das Dorf entlang des Flusses durch eine eindrucksvolle Landschaft aus schroffen Felswänden. Hier begegnen sich Straße, Eisenbahn und Fluss, als hätten alle Wege des Reliefs an diesem Punkt zusammengefunden.
Die D589 führt nicht durch das Dorf, sondern überquert den Allier auf einer neueren Brücke hoch darüber. Eine zweite Brücke verbindet das Dorfzentrum mit dem anderen Ufer. Und was für eine Brücke. Bereits 1887, ein Jahr vor dem Bau des Eiffelturms, errichtete Gustave Eiffel hier eine elegante grüne Eisenbrücke, ein feines Geflecht aus Metall, das sich über den Fluss spannt. |
 |
 |
| Das Dorf mit seinen kaum mehr als zweihundert Einwohnern schmiegt sich mit seinen schönen Steinhäusern an den Fuß der Felsen und an das Flussufer. Durch seine verwinkelten Gassen zu schlendern bedeutet, sich auf ein reizvolles kleines Labyrinth aus engen Gassen, Treppen und schmalen Durchgängen einzulassen, in dem die Zeit langsamer zu vergehen scheint. |
 |
 |
| Dieser Spaziergang führt Sie unter anderem zur Pfarrkirche, einem reinen Beispiel der romanischen Baukunst der Auvergne, schlicht und solide wie alles, was hier für die Ewigkeit geschaffen zu sein scheint. |
 |
 |
| Die Strecke verlässt das Dorf entlang des Flusses und führt anschließend unweit der Departement Straße durch eine schmale Gasse mit einem beinahe biblisch klingenden Namen, der „Montée de la Madeleine“. |
 |
 |
Kurz darauf überqueren Sie die Ance, einen lebhaften kleinen Fluss, der hier in den Allier mündet.

| Von Monistrol aus beginnt ein nahezu ununterbrochener sechs Kilometer langer Anstieg bis nach Montaure. Der Aufstieg aus dem Tal gilt als eine der eindrucksvollsten und zugleich härtesten Prüfungen der Via Podiensis. Er verspricht große Anstrengung, aber ebenso große Freude. Gleich zu Beginn sind auf dem ersten Kilometer bis Escluzels mehr als hundertfünfzig Höhenmeter zu überwinden, mit Passagen, die den Beinen alles abverlangen, besonders wenn die Jahre ihren Tribut fordern. Hier gibt es keine Verschnaufpause und keine sanften Wellen, sondern nur einen beharrlichen Anstieg, zunächst auf Asphalt, anschließend auf einem steinigen Pfad am Hang der Schlucht. Anfangs deutet allerdings noch nichts auf die bevorstehende Härte hin. Die Strecke beginnt mit einer Art Vorspeise, einer fast menschenleeren asphaltierten Rampe, die geduldig bis zu einem einsamen Schuppen am Straßenrand ansteigt. |
 |
 |
| Dann beginnt das eigentliche Abenteuer. Ein Pfad windet sich in engen Kehren den steilen Felsenhang hinauf, zwischen großen, tückischen Steinen, die unter den Schuhen leicht ins Rollen geraten. Sie steigen durch eine dichte und ursprüngliche Vegetation mit verschlungenen Sträuchern, knorrigen Eichen, hohen Eschen, stillen Buchen und jungen Kastanien, die den Hang nach und nach zurückerobern. |
 |
 |
| Und dennoch besteht trotz des Gefühls von Schwindel keinerlei wirkliche Gefahr. Es bleibt vielmehr das berauschende Empfinden, am Rand der Tiefe durch eine üppige, beinahe ungezähmte Natur zu wandern, deren wildes Grün an eine frei wehende Mähne erinnert. |
 |
 |
Als Belohnung öffnet sich ein atemberaubendes Panorama. Das Tal breitet sich weit unter Ihnen aus, das Dorf schmiegt sich mit seinen Steinbrücken an den Hang, der Allier glitzert tief unten in der Schlucht, und auf der gegenüberliegenden Talseite erheben sich die gewaltigen Wälder wie ein dunkler Wall.

Abschnitt 3: In einem der anspruchsvollsten Abschnitte des Jakobswegs

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: qHier erwartet Sie pures Vergnügen, mit Steigungen von stellenweise nahezu 30 bis 40 Prozent, besonders in der Nähe von Escluzels. Erst nach Montaure können Sie wieder richtig durchatmen.

|
Der Pfad steigt durch ein steinernes Labyrinth an, in dem der Fels bei jedem Schritt zutage tritt. Unter den Schuhen rollen und knirschen die Steine, ringsum schließt sich der Hang in einem grünen Rahmen wilder Natur. Moosbewachsene Böschungen, hohes Gras und junge Bäume schaffen eine fast verborgene Frische, als hielte der Berg hier in einer zugleich rauen und gastfreundlichen Natur den Atem an. Plötzlich entfaltet sich die Landschaft in ihrer ganzen geologischen Kraft. Eine gewaltige Basaltwand erhebt sich vor Ihnen und streckt ihre dunklen Säulen zum Himmel. Die erstarrten Lavasäulen, von der Zeit gezeichnet, bilden eine ursprüngliche, beinahe sakrale Architektur, in der sich die Erinnerung an das uralte Feuer lesen lässt. Hier entsteht die Schönheit aus dem Zusammenspiel von Wildnis und Stille.
|
 |
 |
|
Dann ändert der Weg seine Richtung. Er setzt seinen Anstieg zwischen zwei dicht bewachsenen Böschungen fort, als führe er durch einen grünen Korridor, der direkt in den Hang geschnitten wurde. Der mit Steinen und Kies bedeckte Boden trägt die Spuren der Jahreszeiten und verlangt einen aufmerksamen Schritt. Hoch über diesem Meer aus Blättern erscheint ein großes Steinhaus auf seinem Felsvorsprung wie ein unbeweglicher Wächter. Seine schlichte und zugleich beruhigende Gestalt bietet dem Wanderer einen Orientierungspunkt und zugleich ein Versprechen, das Versprechen eines Zieles, einer Zuflucht oder einer wohlverdienten Rast. Inmitten dieses geduldigen Aufstiegs wird das hoch gelegene Haus beinahe selbst zum Horizont und lädt schweigend dazu ein, den Weg fortzusetzen.
|
 |
 |
| Eine kleine Schranke wirkt beinahe überflüssig, als solle sie einen Verkehr aufhalten, der nur in der Vorstellung der Menschen existiert. Hier trifft die Strecke auf eine schmale asphaltierte Straße, die sich unter weiteren mächtigen Basaltsäulen entlangzieht. Sie wirken wie steinerne Kathedralen, von der Zeit gezeichnet und über Jahrhunderte geformt. |
 |
 |

| Dann beginnt die Steigung erneut mit aller Kraft. Die Straße richtet sich unter Eichen, Fichten, jungen Buchen und Kastanienschösslingen steil auf und fordert Atem und Beine gleichermaßen. Schließlich erscheint auf der Böschung ein schlichtes Eisenkreuz, ein stiller Wächter und zugleich ein Zeichen der Ausdauer. |
 |
 |
| Hier legen Wanderer und Pilger gern eine Pause ein, um zu verschnaufen und den Blick schweifen zu lassen. Von hier aus öffnet sich noch einmal der Blick auf Monistrol d’Allier tief unten im Tal. Weiter oben lässt sich Escluzels bereits erkennen, scheinbar zum Greifen nah. Doch dieser Eindruck täuscht. Der Berg spielt gern mit den Entfernungen, und bis zum höchsten Punkt ist es noch ein gutes Stück. |
 |
 |
| Von hier aus führt die Strecke auf einer breiten Allee aus Basaltschotter weiter, durch eine Landschaft aus schwarzem Gestein und hellem Staub. Nach einer weiteren kleinen Schranke verlässt der GR65 erneut die Straße und folgt einem breiten Weg zur hoch über den Schluchten gelegenen Kapelle der Madeleine. In dieser rauen Landschaft, die vom uralten Feuer der Vulkane und der Geduld der Jahrhunderte geformt wurde, fordert der Anstieg erneut seinen Tribut. Bald erreichen die Steigungen wieder 30 bis 40 % und erinnern daran, dass der Berg seine Schönheit niemals ohne Gegenleistung preisgibt. |
 |
 |
| Nach einem besonders harten Anstieg, der beinahe einem Kampf mit dem Hang gleicht, folgt endlich Erleichterung. Der Weg erreicht die Felsenkapelle der Madeleine. Bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1312 wird eine der heiligen Maria Magdalena geweihte Kapelle erwähnt. War diese Felsspalte einst der Standort einer keltischen Behausung? Die Antwort bleibt zwischen Geschichte und Legende verborgen. Im 17. Jahrhundert errichtete man eine steinerne Fassade, die den natürlichen Hohlraum verschloss und ihn in ein Heiligtum verwandelte. Von da an gewann die Kapelle rasch an Bedeutung. Von hohen Basaltsäulen überragt und eng an den Berg gelehnt, scheint sie unmittelbar aus dem Felsen hervorgegangen zu sein. Für die Pilger bietet sie weit mehr als eine Raststätte. Nach dem mühsamen Aufstieg schenkt sie Stille, Kühle und Frieden. |
 |
 |
| Die Kapelle überrascht durch ihre schlichte, beinahe klösterliche Ausstrahlung. Die unverputzten Steinmauern bewahren die Kühle und Würde dieses alten Ortes. Das Licht dringt nur sparsam durch kleine Öffnungen ins Innere. Alles lädt zur Einkehr ein. Die niedrige, raue Decke scheint unmittelbar aus dem Felsen hervorzuwachsen, als wäre die Kapelle direkt in den Berg hineingearbeitet worden. Schlichte Holzbänke stehen vor einem einfachen Altar, auf dem eine liegende Statue im sanften Licht ruht. Einige Kerzen flackern still und tragen die Gebete und die Müdigkeit all jener in sich, die hier innegehalten haben, bevor sie ihre Strecke fortsetzten. |
 |
 |
| Von hier bis Escluzels hält der Weg eine ganz besondere Freude bereit, jene Freude, die nur durch Anstrengung errungen wird. Denn die Steigung wird noch einmal deutlich stärker. Stellenweise erreicht sie mehr als 40%. Grobe Holzstufen lassen den Pfad eher wie eine Leiter erscheinen, die an den Berghang gelegt wurde. Schritt für Schritt arbeitet sich der Wanderer so geduldig nach Escluzels hinauf. |
 |
 |
| Oben klammern sich die Steinhäuser an den Rand der Schlucht, als hingen sie über dem Abgrund. Man kann sich leicht vorstellen, wie viel schwieriger dieser Aufstieg oder auch der Abstieg früher gewesen sein muss, besonders wenn beladene Esel mit Säcken, Vorräten oder Erntegut diesen Weg bewältigen mussten. Die heutigen Pilger, die mit einem Esel unterwegs sind, erleben vermutlich dieselben Herausforderungen. |
 |
 |
| Escluzels besitzt bemerkenswerte Häuser, die aus den unterschiedlichsten Schattierungen vulkanischen Gesteins erbaut wurden. Wie ein Adlernest schmiegt sich der Weiler fest an seinen Felssporn. Wenn man ihn so über dem Abgrund hängen sieht, fragt man sich beinahe, durch welches Wunder er seit Jahrhunderten Wind, Zeit und Tiefe trotzt. |
 |
 |
| Niemand vermag zu sagen, wie viele Menschen hier einst gelebt haben oder noch heute leben. Die Häuser scheinen unmittelbar aus dem vulkanischen Boden hervorgegangen zu sein, so vollkommen fügen sie sich in die Landschaft ein. Ihre dunklen Mauern aus Basaltsteinen und groben Felsblöcken bewahren schweigend die Erinnerung an Wind, Winter, lange Abende und vergangene Generationen. Die schmale Straße führt um die Gebäude herum und verschwindet schließlich hinter ihnen, wie ein Geheimnis, das sich nur jenen offenbart, die den Aufstieg bis hierher auf sich nehmen. Nichts sucht hier zu beeindrucken. Alles erzählt von Geduld, harter Arbeit und tiefer Verwurzelung. Diese Häuser wollen nicht imponieren. Sie bestehen einfach weiter. Gerade in ihrer stillen Beharrlichkeit erzählen sie eindrucksvoller als viele Worte von der Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat und von der stillen Schönheit eines Ortes, der gelernt hat zu bestehen. |
 |
 |
| Im Weiler ändert der GR65 leicht seine Richtung und erreicht wieder die Straße. Die Steigung wird etwas sanfter, ohne wirklich nachzulassen. Zwischen Obstgärten und Walnussbäumen führt sie weiter und vermittelt für einen kurzen Moment den Eindruck, die größte Anstrengung sei überstanden. Doch hinter Escluzels zeigt der Berg noch einmal seinen Charakter. Der Aufstieg setzt sich unbeirrt fort und erinnert daran, dass der höchste Punkt bis zuletzt verdient werden muss. |
 |
 |
| Nach und nach nähert sich die Straße dem Waldrand. Große Eschen erscheinen wieder am Wegesrand und begleiten den Wanderer mit ihrem leichten Schatten wie ein stiller Ehrenzug. |
 |
 |
Am Flurnamen Les Varennes, rund zehn Kilometer vor Saugues, verlässt der GR65 endlich den Asphalt und kehrt auf den festen Erdboden zurück, der die Schritte dämpft und den Körper mit der Anstrengung versöhnt.

| Nun erscheinen wieder die Nadelbäume, vor allem die Kiefern mit ihren schlanken Silhouetten, die den breiten, sich windenden Weg erneut säumen. Mal öffnet sich der Weg dem Licht, mal verschwindet er wieder im kühlen Schatten des Waldes. |
 |
 |
| Nach einer weiten Kehre im Wald und der Überquerung einer kleinen Straße erreicht der Weg die Departement Straße D589. Auch sie scheint sich den Launen des Geländes zu beugen und windet sich fast ebenso hartnäckig wie der Weg selbst in Richtung Saugues. Anschließend führt der Weg auf die andere Straßenseite. |
 |
 |
| Nun beginnt das Reich der Waldkehren. Der Weg beschreibt unter den Bäumen eine Kehre nach der anderen und steigt geduldig weiter an. Bis Montaure bleibt noch gut ein Kilometer zurück, ein Kilometer, der im steilen Wald oft deutlich länger erscheint. |
 |
 |
| Hier ist die Steigung erneut kräftig und überschreitet häufig fünfzehn Prozent. Doch der Wald entschädigt für alle Mühen. Die Kiefern wachsen teils kerzengerade, teils winden sie sich wie hölzerne Schlangen dem Licht entgegen. Die dunkleren Fichten beherrschen schweigend die Landschaft, während einzelne Weißtannen zwischen den hohen Stämmen verborgen bleiben. Dennoch ist dieser Wald keineswegs eintönig. Eschen sind weiterhin zahlreich vertreten, gelegentlich erscheinen Ahornbäume, und mächtige Buchen spannen ihre weit ausladenden Kronen mit ruhiger Erhabenheit über den Weg. |
 |
 |
| So zeichnet der Weg unzählige Serpentinen durch den Wald und erreicht gelegentlich kleine Lichtungen, auf denen Farne, beinahe so hoch wie junge Bäume, ihre filigranen Wedel entfalten. |
 |
 |
| Das Haut Allier wirkt hier weder dramatisch noch heroisch. Es ist kein Gebirge, das beeindrucken möchte. Es umhüllt den Wanderer, fordert ihn sanft heraus und ermüdet ihn ohne jede Härte. Mancherorts dringt kaum Licht durch das dichte Dach der eng beieinanderstehenden Fichten. Unter ihrem Schutz verläuft der Weg. Noch immer begegnet man Familien mit ihren Eseln. Einer von ihnen trägt, nachdem ein Teil der Last abgenommen wurde, das jüngste Kind schlafend auf seinem Packsattel. In dieser langsamen sommerlichen Prozession spürt man, dass die Eselvermieter den Beginn der warmen Jahreszeit ebenso erwarten wie andere eine gute Ernte. |
 |
 |
| Schließlich öffnet sich der Wald. Der Blick fällt auf einen helleren Hang mit einigen mageren Weiden und Feldern. Diese Lichtungen wirken wie ein freundlicher Vorbote und kündigen bereits die Nähe von Montaure an. |
 |
 |
| Dann erreicht die Strecke wieder den Asphalt. Der Anstieg war hart, stellenweise sogar übermäßig steil, und an manchen Böschungen suchte der Fuß einen sicheren Halt. Diese Steigung hat ihre Spuren hinterlassen. Nun versteht man leicht, weshalb in den durchquerten Weilern im Laufe der Jahre Picknickplätze, kleine Erfrischungsstände und willkommene Rastplätze entstanden sind. Erste Hinweisschilder versprechen bereits die nahende Erholung, und der Pilger freut sich beinahe darauf. |
 |
 |
| Früher befand sich hier eine kleine Schenke für Reisende. Heute ist sie geschlossen, doch der Geist des Ortes lebt weiter. In Montaure legen Pilger noch immer gern eine Pause ein, um den Schweiß abzuwischen und nach einem Anstieg zu verschnaufen, den manche als endlos empfinden. Der Weiler besteht nur aus wenigen alten Häusern am Wegesrand. Noch immer bestimmen die vulkanischen Steine das Ortsbild, doch schon bald kündigt sich der Granit der Margeride an und übernimmt allmählich die Oberhand. |
 |
 |
| Am Ortsausgang wacht ein hohes Steinkreuz über das Tal, während sich die Straße zwischen den Feldern dem Horizont entgegenzieht. Von hier an hebt sich die Landschaft in sanften Wellen an, mit weiten Rundungen und stillen Mulden, als läge ein ruhiger Atem unter ihrer Oberfläche. |
 |
 |
| Ab Montaure wird die Steigung deutlich sanfter und führt mühelos durch üppige Wiesen, auf denen vereinzelt Bauernhöfe liegen. Auf diesem Hochplateau in fast tausend Metern Höhe ist die Viehzucht weit mehr als ein Beruf. Sie ist eine Lebensweise. Wunderschöne Aubrac-Rinder mit ihrem fahlbraunen Fell heben neugierig ihre großen Augen zu Ihnen. |
 |
 |
| Fast unmerklich verändert sich die Landschaft innerhalb weniger Kilometer. Der strenge Granit der Margeride löst nach und nach den dunklen Basalt des Devès ab. Hier gibt es keine schroffen Gipfel und keine spektakulären Abgründe. Stattdessen prägen sanfte Hügel, weite Weiden und hohe Wälder das Landschaftsbild. Diese ruhigen Anhöhen lassen sich ohne große Mühe überschreiten und schenken dem Wanderer eine stille Belohnung für die zuvor erbrachte Anstrengung. |
 |
 |
| Bald weicht der Asphalt einem breiten Erdweg. Hier und da ragen Gruppen von Kiefern und einzelne Eschen wie natürliche Sonnenschirme aus der Landschaft. Danach erscheinen die weiten Roggenfelder, der stille Stolz der Margeride, oder auch Triticale, jenes von Menschen geschaffene Getreide als Kreuzung aus Weizen und Roggen, das vor allem als Futter für das Vieh dient. Auf diesem rauen und wenig ertragreichen Boden ist dies nahezu die einzige Form wirklicher Fülle. |
 |
 |
Abschnitt 4: Sanfte Wellen durch die Weidelandschaft

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke : Nach den vorangegangenen Anstrengungen verläuft diese Strecke ohne besondere Schwierigkeiten.

| Was diese Etappe besonders auszeichnet, sind ihre eindrucksvollen Gegensätze. Sie haben die tief eingeschnittenen Schluchten des Allier hinter sich gelassen, die steilen Hänge und das schroffe Relief überwunden und erreichen nun das Reich der sanften Hügel. Doch hinter dieser scheinbaren Milde verbirgt sich immer noch dieselbe charakterstarke Landschaft, ein raues Land, das von langen und strengen Wintern geprägt wird. Stellenweise säumen mächtige Granitblöcke den Weg wie natürliche Grenzsteine. Sie verraten unmissverständlich die Beschaffenheit des Bodens und kündigen den Eintritt in die Margeride an. Schon bald nähert sich der Erdweg dem kleinen Weiler Roziers. |
 |
 |
| Der Weg führt anschließend durch Roziers, dessen friedliche Atmosphäre nahezu unberührt geblieben ist. An der Dorfquelle plätschert frisches Wasser und bietet dem Wanderer eine willkommene Erfrischung. Wer möchte, kann auch bei der Arche du Bonheur einkehren, einer angenehmen Raststätte, in der kühle Getränke ebenso geschätzt werden wie ein freundliches Gespräch. |
 |
 |
| Ringsum gruppieren sich einige Bauernhöfe und stattliche Granithäuser entlang der Straße. Mit ihren gepflegten Fassaden verleihen sie dem kleinen Weiler eine stille Würde und eine zurückhaltende Eleganz. |
 |
 |
| Von Roziers aus erreicht der GR65 auf dem sich sanft durch die friedliche Landschaft windenden Asphaltband langsam wieder etwas an Höhe. |
 |
 |
| Bald zieht eine Herde Montbéliarde-Kühe in ruhigem Schritt vorbei, als folgte sie der Verheißung saftigeren Grases. Ihr Besitzer erzählt, dass diese Tiere ausgezeichnete Milchkühe seien, robust und ausdauernd. Lediglich ihre mitunter empfindlichen Klauen seien eine kleine Schwäche. |
 |
 |
| Die Straße steigt weiterhin ohne Hast an und führt unter Eschen bis zum höchsten Punkt des Hügels, wo sich eine Wegkreuzung öffnet. |
 |
 |
| Wie überall auf dem GR65 begleitet die zuverlässige Markierung den Wanderer auf Schritt und Tritt. Die Strecke biegt nun nach rechts ab und beginnt einen sanften Abstieg in Richtung Le Vernet. |
 |
 |
| Die Straße zieht sich wie ein graues Band durch die Landschaft und schlängelt sich geschmeidig zwischen Wiesen und den sanften Wellen des Hochplateaus hindurch. Zu beiden Seiten breiten sich tiefgrüne Weiden in ruhiger Weite aus. Am Horizont folgen Hügel auf Hügel, mit offenen Weiden, dichten Baumgruppen und dunklen Waldrändern, die die Landschaft sanft begrenzen. Hier scheint jede Eile ihren Sinn zu verlieren. |
 |
 |
| Der Blick schweift über eine friedliche und großzügige Landschaft. Weite Wiesen, mächtige Bäume mit schützenden Kronen, einige Roggenfelder und überall friedlich weidendes Vieh bestimmen das Bild. Im Frühling leuchten diese Wiesen in einem beinahe überwältigenden Grün, das an die Landschaften Irlands erinnert. Im Sommer verleiht das warme Licht ihnen eine sanftere Ausstrahlung. |
 |
 |
| Nach und nach nähert sich die Straße Le Vernet. |
 |
 |
| In dieser Gegend liegen die Dörfer bevorzugt an den Hängen der Hügel, als wollten sie das umliegende Land überblicken. In Le Vernet hat der Granit den vulkanischen Stein endgültig verdrängt. Er bildet hier das Material für alles Dauerhafte, für die Häuser, die Kreuze und die Brunnen. Die entlang des Hanges gestaffelten Gebäude ähneln einander und werden durch den hellgrauen Granit zu einem harmonischen Ganzen verbunden, das dem Dorf eine schlichte Würde verleiht. Dieser widerstandsfähige Granit hat den Wechsel der Jahreszeiten und Jahrhunderte überstanden und wird auch künftig der Zeit standhalten. Denn obwohl diese Weiler keine große Höhe erreichen, kennt der Winter hier keine Nachsicht. Das Klima kann streng, rau und bisweilen beinahe feindselig sein. |
 |
 |
 |
 |
| Der GR65 durchquert Le Vernet und verlässt den Ort anschließend oberhalb der Häuser. Dabei streift er einen Picknickplatz, der wie eine freundliche Einladung zur Rast wirkt. Hinter einem auf seinem Granitsockel stehenden Steinkreuz verbirgt sich halb ein Hühnerhof. Dort schreitet ein prächtiger Pfau stolz zwischen geschäftigen Hühnern, vorsichtigen Fasanen und gelassenen Truthähnen umher. |
 |
 |
| Ein breiter Erdweg verläuft eben durch die Wiesen, als hätte er sich vorgenommen, jede Eile zu vermeiden. Hier und da setzen Ahorn- und Eschenbäume ruhige Akzente und spenden kleine Inseln aus Schatten inmitten der weiten Weiden. In der Ferne bilden dunkle Nadelwälder einen ruhigen Gegenpol zur Sanftheit der offenen Landschaft. Gerade diese schlichte und friedliche Umgebung macht den besonderen Reiz der Gegend aus. Sie löst die Gedanken und macht den Schritt leichter. |
 |
 |
| Hier scheint die Natur ihr ursprüngliches Gesicht bewahrt zu haben, ruhig, unberührt und ohne jede Künstlichkeit. Hohlwege, Hecken und weite, vom Wind überstrichene Hochflächen schaffen eine Landschaft von tiefer Gelassenheit. Überall erinnern die stillen, aber unmissverständlichen Spuren des Landlebens, Ziegenkot und Kuhfladen, daran, dass dieses Hochplateau noch immer im geduldigen Rhythmus der Viehzucht lebt und seiner Erde treu geblieben ist. |
 |
 |
| Je näher man Rognac kommt, desto schmaler wird der Weg und desto inniger scheint die Verbindung mit der Landschaft zu werden. Die umliegenden Wiesen strahlen eine beinahe unwiderstehliche Ruhe aus. Ihre sanften Hänge, das dichte Gras und die wohltuende Stille laden geradezu dazu ein, sich für einen Augenblick niederzulegen und dem Weg eine kurze, gestohlene Siesta abzuringen. |
 |
 |
Abschnitt 5: Abstieg nach Saugues

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Keine besonderen Schwierigkeiten, abgesehen von einigen sehr steilen Abschnitten kurz vor Saugues.

| Der GR65 setzt seinen Weg noch eine Zeit lang durch die unberührte Natur fort und verläuft auf einem schmalen Pfad unter dem schützenden Dach von Kiefern und Eschen. Ohne jede Hast erreicht er schließlich wieder den Asphalt am Ortseingang von Rognac, das sich auf 1 100 Metern Höhe befindet, dem höchsten Punkt dieser Etappe. Nun befinden Sie sich mitten im Gévaudan, am Rand der Margeride, jenes Mittelgebirges, dessen höchster Gipfel, der Signal de Randon, 1 551 Meter erreicht. Dieses Land ernährt nicht nur seine Herden, sondern schenkt auch den Sammlern seine Schätze. Pilze, Heidelbeeren, Flechten und Narzissen gehören zu den Kostbarkeiten, die die Bewohner von Saugues mit großer Erfahrung sammeln. Viele erzählen mit einem Lächeln, dass diese Ernte einem dreizehnten Monatslohn gleiche. Der Verkauf von getrockneten oder frischen Pilzen, besonders von Steinpilzen, gehört bis heute zu den lebendigen Traditionen der Herbstmärkte von Saugues. Flechten und Narzissen wiederum finden ihren Weg bis in die Werkstätten der Parfümhersteller. |
 |
 |
| Rognac gehört zu jener Familie von Dörfern des Gévaudan und der Margeride, deren Einheitlichkeit ihren besonderen Reiz ausmacht. Überall dieselben soliden Häuser, dieselben sorgfältig gefügten Granitsteine und derselbe Eindruck stiller Beständigkeit. Alles scheint hier gebaut worden zu sein, um Wind, Frost und der Zeit standzuhalten. Der kleine Dachreiter, der den Blick auf sich zieht, gehört übrigens nicht zu einer Kapelle, sondern zum Versammlungshaus des Dorfes, dem schlichten Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens. |
 |
 |
| Die Strecke verlässt Rognac hinter einem prächtigen schmiedeeisernen Kreuz, das anmutig auf seinem Granitsockel ruht und wie ein letzter Gruß des Dorfes an den Wanderer wirkt. |
 |
 |
| Hinter Rognac steigt der GR65 auf dem geraden Asphalt noch einmal sanft durch die offene Landschaft an. |
 |
 |
| Die Straße gewinnt noch etwas an Höhe, bis sie eine Kreuzung erreicht, an der wieder ein Erdweg beginnt. Hier wendet sich die Strecke endgültig dem Abstieg nach Saugues zu, als wolle die Landschaft, nachdem sie Sie bis auf ihre ruhigen Höhen geführt hat, Sie nun freundlich wieder ins Tal begleiten. |
 |
 |
| Tief unter Ihnen öffnet sich plötzlich der Blick auf die sanften Hügel von Saugues. Die Landschaft, die sich lange nur angedeutet hatte, zeigt sich nun in ihrer ganzen Schönheit. Weiche Geländewellen, terrassenförmig angelegte Wiesen und bewaldete Hänge bilden ein harmonisches Bild, durchflutet vom klaren Licht der Hochflächen. |
 |
 |
| Ein Weg führt nun zwischen Kiefern hindurch wie durch einen stillen Korridor aus Kühle und Schatten. Vom ständigen Begehen ausgetreten und von Regen ausgewaschen, schlängelt er sich zwischen hellen Steinen und freiliegenden Wurzeln hindurch, mit jener vertrauten Rauheit alter Pfade, auf denen bereits Generationen von Wanderern unterwegs waren. Zu beiden Seiten säumen halb verfallene Granitmauern, überwachsen von Moos und Flechten, den Weg wie stille Überreste einer unveränderlichen ländlichen Welt. |
 |
 |
| Unter den hohen Kiefern mit ihren knorrigen Stämmen fällt das Licht in beweglichen Schleiern durch die Kronen und spielt mit Schatten und Blättern. Einige Ahorn- und Eschenbäume verleihen der strengen Waldlandschaft mit ihrem leichteren Laub eine besondere Anmut. Diese Landschaft besitzt eine außergewöhnliche Ursprünglichkeit, eine schlichte Schönheit aus Stille, Fels, Licht und Wind. Zwischen zwei Baumstämmen öffnet sich in der Ferne immer wieder der Blick auf die offene Landschaft. Es ist die Welt eines bewahrten Landes, in der der Weg weniger zum Weitergehen als vielmehr zum Innehalten einlädt, um den Frieden dieses Ortes bewusst zu genießen. |
 |
 |
 |
 |
| Der Weg wird stellenweise steiniger und setzt seinen ununterbrochenen Abstieg über Felsen und festen Erdboden fort. Mal führt er durch offene, fast steppenartige Landschaften, in denen der Wind ungehindert herrscht, dann wieder unter das schützende Dach des Waldes, wo der Schatten die Härte des Gefälles mildert. Mit jeder Kurve folgt der Weg den Formen des Geländes und zeigt sich bald vertraut, bald wild, ganz nach dem Charakter der Landschaft. |
 |
 |
| Nach und nach erscheinen am näher rückenden Horizont die roten Dächer von Saugues, eingebettet zwischen den Hügeln. Zunächst wirken sie wie ein Versprechen, ein heller Schimmer von Ziegeln im Sonnenlicht, bevor die Stadt langsam Gestalt annimmt. Wenn Sie nach dem Frühjahr hier unterwegs sind, verleihen die blühenden Ginstersträucher der Landschaft mit ihren goldgelben Farbtupfern einen zusätzlichen Zauber. |
 |
 |
 |
 |
Dann tauchen auf dem Hochplateau plötzlich seltsame Holzskulpturen auf. Sie erinnern daran, dass das Gévaudan nicht nur ein Land der Stille und der Weiden ist, sondern auch eine Landschaft dunkler Geschichten und alter Erinnerungen. Wie Wächter des Geheimnisses stehen sie auf den Hügeln und halten die Legende der Bestie des Gévaudan lebendig. Der Überlieferung nach erschien das rätselhafte Wesen unvermittelt, griff mit unvorstellbarer Wildheit an und verbreitete Schrecken in den Dörfern ebenso wie auf den vertrautesten Wegen. Jedes Rascheln im Gebüsch, jeder knackende Ast und jeder Windstoß im Wald konnte damals als Vorzeichen einer neuen Tragödie verstanden werden. Die ganze Region lebte in ständiger Furcht vor dieser unsichtbaren Bedrohung.

| Diese phantastischen Figuren, aus einem einzigen Baumstamm herausgearbeitet, verkörpern zugleich die Härte des Landes und seine geheimnisvolle Seite. Wie Erscheinungen stehen sie auf dem Höhenrücken, irgendwo zwischen Kunstwerk, Totem und Traum, und scheinen mit Himmel und Erde zugleich in Verbindung zu treten. Das rohe Holz, ausgehöhlt, eingeschnitten und stellenweise geglättet, bewahrt die Maserung, die Astknoten und die Narben des ursprünglichen Baumes, als hätte die Natur selbst das Werk begonnen, bevor der Künstler seine endgültige Gestalt offenbarte. |
 |
 |
Selbst die Bestie des Gévaudan scheint Sie noch am Straßenrand zu beobachten, verborgen in den Geschichten und den Schatten dieser Landschaft. Anschließend erreicht der GR65 wieder die Departement Straße, als kehre er nach den Heideflächen, den Wäldern und den Legenden allmählich in die bewohnte Welt zurück.

| Eine schmale, steile und kurvenreiche asphaltierte Straße führt nun hinab zum Dorf. Das Gefälle nimmt deutlich zu. Der Blick schweift bereits über die Dächer und engen Gassen, während die Beine die Belastung des Abstiegs spüren. |
 |
 |
| Die Straße windet sich anschließend zwischen den Häusern hindurch, folgt den schmalen Gassen und führt Sie langsam und beinahe feierlich bis ins Herz von Saugues. |
 |
 |
 |
 |
| Saugues mit seinen rund zweitausend Einwohnern ist eine kleine Stadt voller Charakter, deren Name weit über die Margeride hinaus bekannt ist. Man kennt sie wegen der Legende der Bestie des Gévaudan, ihrer Pilze und ihrer Holzschuhe, aber ebenso wegen ihrer Bedeutung als bedeutender Handelsplatz der Region. Viehzucht spielt hier bis heute eine wichtige Rolle. Der Rindermarkt findet montags statt, der Schafmarkt freitags, und jedes Jahr werden mehr als hunderttausend Tiere gehandelt. Doch Saugues ist weit mehr als seine Märkte und Traditionen. Bereits lange vor den Römern war diese Gegend das Gebiet der Gabaler, eines stolzen und unabhängigen Volkes, das in den ausgedehnten Wäldern der Region lebte. Julius Caesar erwähnte den Ort unter dem Namen Salgacum. Nach dem Untergang des Römischen Reiches im Jahr 476 gelangte das Gebiet unter die Herrschaft der Franken. Im 8. Jahrhundert hinterließen die Überfälle der Sarazenen und Mauren Spuren von Zerstörung und Feuer. Im 12. Jahrhundert fiel Saugues an die mächtige Familie Mercœur aus der Auvergne, die auch in St Privat d’Allier herrschte. In dieser Zeit entstanden der größte Teil der Stadtbefestigung sowie der berühmte Engländerturm. Damals erlebte die Region eine bemerkenswerte Blüte mit Hunderten von Pfarreien und Tausenden von Familien. Danach folgten die langen Jahre des Hundertjährigen Krieges. Zwischen 1337 und 1453 litt die Region unter Belagerungen, Plünderungen und Gewalt. Im Jahr 1380 entsandte Karl V. Truppen, um die Stadt von den sogenannten Engländern zurückzuerobern. Tatsächlich handelte es sich überwiegend um Söldner, die nach dem Frieden von Brétigny ohne Sold zu Plünderern geworden waren. Ihnen verdankt der heute noch erhaltene Turm seinen Namen. Auch nach Kriegsende blieb die Unsicherheit bestehen. Im gesamten Gévaudan wurden Burgen und Befestigungen verstärkt, und rund dreißig befestigte Anlagen schützten damals die Region. Ein weiterer schwerer Schicksalsschlag traf Saugues im Jahr 1788, als der Brand des gemeinschaftlichen Backhauses fast die gesamte Stadt zerstörte. Nur ein einziges bedeutendes Bauwerk überstand das Feuer, der Engländerturm. Als letzter erhaltener Turm der ehemaligen Burg wurde er zum Symbol der Katastrophe und des Wiederaufbaus. Die Bewohner errichteten ihre Stadt mit den Steinen der alten Burg neu. Noch heute wacht der Turm mit seiner Uhr über den Dächern von Saugues und verbindet Vergangenheit und Gegenwart. |
 |
 |
| Die Kollegiatkirche Saint Médard besitzt ihren ursprünglichen achteckigen Turm aus dem 13. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert wurde die Kirche teilweise zerstört und anschließend schrittweise wieder aufgebaut. Sie bewahrt die Reliquien des heiligen Bruder Bénilde, der zunächst seliggesprochen und später heiliggesprochen wurde. |
 |
 |
| Die Bruderschaft der Büßer wurde 1652 in Saugues gegründet. Sie gehört zu den katholischen Bruderschaften, deren Satzungen Bußübungen wie Fasten sowie die Unterstützung von Kranken und Verstorbenen vorsehen. Die einzelnen Bruderschaften unterscheiden sich nach der Farbe ihrer Gewänder, die ihre Mitglieder bei Prozessionen oder Bußübungen tragen. In Saugues ist dieses Gewand weiß. Im 19. Jahrhundert zählte die Gemeinschaft rund zweihundert Mitglieder, heute sind es noch etwa vierzig. Die Prozession am Gründonnerstag mit den vermummten Büßern gehört zu den eindrucksvollsten religiösen Ereignissen der Region. Die Kapelle der Büßer, die auf Anfrage besichtigt werden kann, wurde 1681 errichtet. Nach dem Brand von 1788 wurde sie später wieder aufgebaut.
Der aus Saugues stammende Künstler Lucien Gires (1937–2002) prägte das kulturelle Leben der Stadt nachhaltig. Ihm sind unter anderem die Restaurierung des Engländerturms, die bildliche Darstellung des Lebens des heiligen Bénilde sowie die Entwicklung des Museums der Bestie des Gévaudan zu verdanken. Das Museum wurde 1989 eröffnet und widmet sich den Geheimnissen jener legendären Bestie, der mehr als hundert Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Näheres dazu erfahren Sie in der nächsten Etappe von Saugues nach St Alban sur Limagnole. |
 |
 |
Unterkünfte auf der Via Podiensis
- Gîte L’Estaou, Dominique Mulliez (pèlerine), Combrieux; 04 71 09 58 91/06 66 40 60 31; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte de Rochegude, Nathalie et Franck Pascal, Rochegude; 06 33 70 48 10; Gîte, Abendessen, Frühstück, Küche
- Gîte La Ribeyre***, Christelle et Stéphane Robert, Praclaux; 06 63 46 37 09/; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Chambres d’hôtes Aldon, Géraldine Aldon, Praclaux; 06 61 51 71 10; Pension und Zelte, Abendessen, Frühstück
- Camping municipal Le Vivier***, Rue du Pain de Sucre, Monistrol d’Allier; 04 71 57 24 14; Zelte, Frühstück, Küche
- Gîte Au Ricochet, Magali Perrony, Monistrol d’Allier; 06 59 07 70 66; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte La Tsabonne, Patrick Fourquet et Myriam, Montée des deux Chiens, Monistrol d’Allier; 04 71 06 17 23/06 15 15 38 39; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte du Pont Eiffel, André Solakian, Monistrol d’Allier; 06 44 72 81 95/04 71 06 17 74; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Chez Martin, 89 Rue des Jacquets, Monistrol d’Allier; 07 66 93 20 61; Gîte, Frühstück, Küche
- Chambres d’hôtes Les Terrasses du Verger, 424 Route e Gévaudan, Monistrol d’Allier; 06 40 50 30 22; Pension, Abendessen, Frühstück
- Le Repos du Pèlerin, 365 Rue des Jacquets, Monistrol d’Allier; 06 18 33 30 73; Bar, Gîte und Pension, Abendessen, Frühstück
- Gîte Le Pain de Sucre, Peter Joyce, Le Vivier, Monistrol d’Allier; 07 88 21 29 53; Hotel, Abendessen, Frühstück
- Gîte L’Arche de Gabriel, Roziers; 07 45 17 22 60/04 71 77 85 78; gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte de la Remise, Rognac; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte communal, 8 Rue de la Margeride, Saugues; 04 71 77 80 62/06 65 15 04 32; Gîte, Küche
- Centre d’accueil de la Margeride, Cyril et Sonia, Saugues; 04 71 77 60 97; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte à la Ferme Itiers-Martins, 65 Chemin des Noisetiers, Saugues; 04 71 77 83 45/06 72 75 46 48; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte le Par’Ici, Barbara Sulas, 445 Avenue Lucien Gires Saugues; 07 65 68 71 44; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte La Dentelle du Camino, 48 Rue de la Margeride, Saugues; 07 84 76 92 27/04 71 77 38 03; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Le Chalet du Pèlerin, Jean-Claude et Maria Decoster, 70 Rue des Cimes, Saugues; 06 09 60 09 65; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte D’Ici et Ailleurs, 46 Rue de la Margeride, Saugues; 06 33 60 53 02; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gite A L’Instant, 345 Rue des Cimes, Saugues; 04 71 77 68 60 /06 19 19 29 45; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Au Bon Moment, 1 Rue des Prés, Saugues; 06 41 54 44 67; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Margeride et Gévaudan, 3 Rue de Espeisse, Saugues; 07 44 26 99 18; Gîte, Küche.
- Les Gabales, Éveline et Pascal (pèlerins), 70 Avenue Lucien Gires, Saugues; 04 71 77 86 92; Pension, Abendessen, Frühstück
- La Flore, Régis et Florence (pèlerins), 230 Avenue Lucien Gires, Saugues; 06 50 28 43 11; Pension, Abendessen, Frühstück
- Auberge Chez Virginie, 2 Rue des Carmélies, Saugues; 06 27 55 89 66; Restaurant, Pension, Abendessen, Frühstück
- Les Terrasses, 11 Cours Gervais, Saugues; 04 71 77 83 10; Hotel**, Abendessen, Frühstück
Jahr für Jahr verändert sich der Jakobsweg und erfindet sich mit den Jahreszeiten und den Schritten der Pilger immer wieder neu. Manche Unterkünfte schließen ihre Türen, während andere, bescheiden oder unerwartet, neu entstehen. Es wäre daher unrealistisch, den Anspruch auf eine vollständige und unveränderliche Liste zu erheben. Dieses Verzeichnis umfasst ausschließlich Unterkünfte, die sich direkt an der Strecke oder höchstens einen Kilometer davon entfernt befinden. Die Auswahl wurde 2026 aktualisiert und dürfte sich in den kommenden Jahren nur geringfügig verändern. Wer umfassendere Informationen sucht, kommt an einem Werk nicht vorbei: Miam Miam Dodo, das problemlos online erhältlich ist. Seine größte Stärke liegt in der jährlichen Aktualisierung. Es verzeichnet nicht nur Unterkünfte unmittelbar an der Strecke, sondern auch Häuser, die etwas abseits liegen. Gerade bei starkem Pilgeraufkommen kann dies von großem Wert sein, wenn die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit schwieriger wird. Darüber hinaus bietet das Werk zahlreiche praktische Hinweise, von einladenden Cafés und Restaurants bis hin zu Bäckereien, die unterwegs eine willkommene Rast ermöglichen. Neben diesen klassischen Informationsquellen ist heute auch Airbnb nicht mehr wegzudenken. Die Plattform hat sich selbst in abgelegenen und dünn besiedelten Regionen zu einer wichtigen Adresse für Reisende entwickelt. Da die genauen Standorte der Unterkünfte jedoch nicht unmittelbar angezeigt werden, ist eine gewisse Vorausplanung erforderlich. Auf dem Jakobsweg hängt die Suche nach einem freien Bett in letzter Minute manchmal vom Zufall ab. Doch auf den Zufall sollte man sich nicht verlassen. Eine rechtzeitige Reservierung ist deshalb dringend zu empfehlen. Erkundigen Sie sich bei der Buchung außerdem, ob Abendessen und Frühstück angeboten werden. Diese scheinbar kleinen Details können die Mühen einer Tagesetappe erheblich erleichtern.
Wenn man die Übernachtungskapazitäten betrachtet, stehen vor Saugues rund 185 Betten zur Verfügung. Das lässt darauf schließen, dass viele Pilger ihre Tagesetappe bereits vorher beenden, insbesondere in Monistrol. In Saugues selbst erweitert sich das Angebot auf nahezu 190 Betten. Da auf der Via Podiensis während der Saison in der Regel zwischen 100 und 200 Pilger unterwegs sind, dürfte diese Etappe hinsichtlich der Unterkunftsmöglichkeiten keine besonderen Schwierigkeiten bereiten. Dennoch empfiehlt es sich, die Unterkunft vorsorglich im Voraus zu reservieren.
Diese Strecken führen durch oftmals nur dünn besiedelte Gegenden und bieten nur wenige Einkaufsmöglichkeiten. Restaurants sind selten, ebenso Lebensmittelgeschäfte, die häufig lediglich kleine Brotausgabestellen mit einer bescheidenen Auswahl an Gemüse und Milchprodukten sind. In Monistrol und Montaure besteht jedoch die Möglichkeit, sich zu verpflegen und Erfrischungen zu erhalten, eine willkommene Gelegenheit in diesen abgelegenen Abschnitten. Wasserstellen sind entlang der Strecke hingegen recht regelmäßig vorhanden. Sie befinden sich in Rochegude, Pratclaux, Monistrol, Escluzels, Montaure, Roziers und Le Vernet. Häufig sind sie mit sanitären Anlagen ausgestattet, meist in Form von Trockentoiletten, insbesondere in Rochegude, Monistrol und Roziers. Am Etappenziel bietet Saugues schließlich den Komfort einer Kleinstadt mit sämtlichen notwendigen Geschäften und Dienstleistungen. Schließlich bieten zahlreiche Unternehmen einen Gepäcktransport oder einen Rücktransfer zum Ausgangspunkt an. Unter ihnen gilt La Malle Postale als die wichtigste Referenz.
NZögern Sie nicht, Kommentare hinzuzufügen. Oft ist dies der Weg, um in der Google-Hierarchie aufzusteigen, sodass mehr Pilger Zugang zur Website erhalten.
|
 |
Nächste Etappe : Etappe 3: Von Saugues nach Le Sauvage |
|
 |
Zurück zum Menü |