Noch ein Tag in der majestätischen Weite des Aubrac
DIDIER HEUMANN, ANDREAS PAPASAVVAS

Wir haben die Route in mehrere Abschnitte unterteilt, um die Übersichtlichkeit zu erleichtern. Für jeden Streckenabschnitt zeigen die Karten die Route, die Steigungen entlang des Weges und den Zustand des GR65. Die Routen wurden auf der Plattform „Wikiloc“ erstellt. Heutzutage ist es nicht mehr notwendig, detaillierte Karten in der Tasche oder im Rucksack mitzuführen. Mit einem Mobiltelefon oder Tablet können Sie die Route ganz einfach live verfolgen.
Für diese Strecke finden Sie hier den Link:
https://fr.wikiloc.com/itineraires-randonnee/de-nasbinals-a-st-chely-daubrac-par-le-gr65-29858610
|
Nicht alle Pilger sind unbedingt mit der Nutzung von GPS oder der Navigation über das Smartphone vertraut, zumal es noch viele Gegenden ohne Internetverbindung gibt. Deshalb ist zur Erleichterung Ihrer Reise ein Buch über die Via Gebennensis durch die Haute-Loire auf Amazon erhältlich. Dieses Werk ist weit mehr als nur ein praktischer Reiseführer: Es begleitet Sie Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, und bietet Ihnen alle nötigen Informationen für eine entspannte Planung ohne böse Überraschungen. Doch über die nützlichen Ratschläge hinaus entführt es Sie auch in die zauberhafte Atmosphäre des Weges – es fängt die Schönheit der Landschaften ein, die Erhabenheit der Bäume und das Wesen dieses spirituellen Abenteuers. Nur die Bilder fehlen – alles andere ist da, um Sie mitzunehmen auf diese Reise. Ergänzend dazu haben wir auch ein zweites Buch veröffentlicht, das mit etwas weniger Detailtiefe, aber mit allen wesentlichen Informationen den gesamten Weg vom Le Puy-en-Velay bis nach St Jean-Pied-de-Port beschreibt. Sie haben die Wahl, welcher Strecke Sie folgen möchten. |
|
![]() |
![]() |
Wenn Sie nur die Unterkünfte der Etappe einsehen möchten, scrollen Sie direkt zum Ende der Seite.
Der Aubrac bedeutet einen vollständigen Tapetenwechsel, zugleich großartig und herb. Die unendliche Einsamkeit und das Fehlen jeglicher Orientierungspunkte machen diese Landschaft zu einem Ort außerhalb der üblichen Touristenströme, zu einem jener magischen Räume, die unsere Vorstellungskraft beflügeln. Es ist ein Land an der Grenze zum Unwirklichen, dessen Zauber sich kaum in Worte fassen lässt. Der Aubrac ist ein ausgedehntes Hochplateau aus Schiefer und Granit, das stellenweise von Basaltströmen überzogen wird. Es bildet eine große Ellipse von rund 55 Kilometern Länge und 40 Kilometern Breite, schließt sich an die Höhen der Margeride an und wird von den oft wilden Wassern der Truyère sowie den ruhigeren Fluten des Lot eingerahmt. Die Strecke führt weiterhin nach Südwesten durch die kahle Steppenlandschaft. Erst bei Aubrac verlässt er schließlich das Hochplateau. Heute wandern Sie zunächst durch das Département Lozère, fast bis zum Dorf Aubrac, und anschließend durch das Département Aveyron, wo die Strecke über die abfallenden Hänge der Monts d’Aubrac verläuft.
Ein weiterer Tag lädt dazu ein, im ersten Teil der Etappe die Bilder einer beinahe baumlosen Landschaft zu genießen. Sanft gewellte Wiesen, die sich im Frühling mit Tausenden von Wildblumen schmücken, erstrecken sich bis zum Horizont. In den weiten Ebenen grasen ebenso Tausende brauner Rinder lautlos vor sich hin. Die Luft ist klar, kein Baum unterbricht den Blick oder hält den Wind auf. Nur gelegentlich erheben sich kleine Waldinseln mitten in den endlosen Weiden. Der Aubrac ist das Land des Viehs, der Mensch scheint hier fast zu fehlen. Diese Landschaft erinnert ein wenig an die argentinische Pampa oder an die Savannen Missouris, ein „Grasmeer“, wie man sie häufig genannt hat. Fast nichts durchbricht die Monotonie und die Gleichförmigkeit dieser weiten Flächen. Der Pilger wandert hier oft stundenlang, ohne in der Ferne mehr als einen einzelnen Baum oder einen kleinen Strauch zu entdecken. Einst waren diese Hochflächen von gewaltigen Wäldern bedeckt, von denen heute nur noch bescheidene Reste geblieben sind. Diese längst verschwundenen Hochwälder gehörten einst zum Hospital von Aubrac, das sowohl die Wälder oberhalb des Dorfes als auch jene unterhalb bis nach St Chély d’Aubrac verwaltete, Wälder, die bis heute erhalten geblieben sind.
In den sanft gerundeten Hügeln wird das Weideland stellenweise von Heidelandschaft abgelöst. Überall liegen mächtige Granitblöcke verstreut, stille Zeugen einer Zeit, in der Gletscher hier ihre Spuren hinterließen. Der Name Aubrac geht auf „Alto Braco“ zurück und bedeutet „hohe Ebene“. Die gleichen weiten Weidelandschaften folgen aufeinander, während die Weiler immer seltener werden. Über das Plateau verstreut stehen alte Burons, massive Steinhütten aus vulkanischem Gestein mit steilen Dächern. Vor langer Zeit lebten dort die Hirten, stellten Käse her und schützten sich vor den heftigen Winden, die über diese Höhen fegen. In diesem Meer aus Grün können die Launen des Windes gewaltige Kräfte entfalten, denn keine Gebirgskette bremst ihren Lauf. Einer dieser Winde ist der „Lo Biso“, der eisige Nordwind. Ein weiterer ist der „Lo Traverso“, ebenfalls ein Nordwind, der Wolken heranführt. Aus dem Süden weht der trockene und heftige „L’Olto“, auch Autan genannt. Mitunter fegt auch der warme und trockene „Lo Souledre“ mit großer Gewalt über das Hochland.
Schwierigkeitsgrad der Strecke: Die Höhenunterschiede von heute (+ 276 Meter/- 642 Meter), wirken auf dem Papier zwar nicht besonders eindrucksvoll, dennoch gehört diese Etappe zu den anspruchsvolleren. Zu Beginn erwartet Sie ein langer, stellenweise kräftezehrender Anstieg über das sanft gewellte Hochplateau bis auf 1.324 Meter Höhe. Die Strecke verläuft meist auf den sogenannten „Drailles“, den traditionellen Viehwegen, durch riesige Weiden, die von Trockensteinmauern und Stacheldrahtzäunen begrenzt werden. Dieses Land gehört den Rindern und den Pilgern. Das Erlebnis ist außergewöhnlich. Hin und wieder tauchen kleine Bäche auf. Nach Aubrac verlässt die Strecke das Hochplateau und führt auf einem schwierigen, stellenweise sehr steilen Abstieg über steinige Wege nach St Chély d’Aubrac. Bei schlechtem Wetter kann dieser Abstieg ausgesprochen anspruchsvoll werden. In diesem Fall empfiehlt es sich, stattdessen die Straße nach St Chély d’Aubrac zu benutzen.
Zustand des GR65: Hier erwartet Sie eine Etappe, die fast ausschließlich auf Wegen verläuft, eine Besonderheit, die auf dem Jakobsweg nur selten anzutreffen ist:
- Asphalt : 2.9 km
- Wanderwege : 13.3 km
Manchmal, aus logistischen Gründen oder wegen der Unterkunftsmöglichkeiten, kombinieren diese Etappen Strecken, die an verschiedenen Tagen zurückgelegt wurden, da wir diese Routen mehrmals durchlaufen haben. Daher können Himmel, Regen oder Jahreszeiten variieren. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall, und tatsächlich ändert es nichts an der Beschreibung der Strecke.
Es ist sehr schwierig, die Steigungen der Routen mit Sicherheit anzugeben, unabhängig davon, welches System Sie verwenden.
Für die tatsächlichen Höhenunterschiede lesen Sie bitte die Hinweise zur Kilometerangabe auf der Startseite noch einmal durch.

Abschnitt 1: Auf dem Weg zu den großen „Drailles“

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Die Strecke steigt kontinuierlich zum Aubrac Pass an. Trotz einiger kleiner Kuppen hier und da bleibt die Steigung stets sehr angenehm.

|
Der GR65 durchquert Nasbinals und zieht sich anschließend in Richtung der Departement Straße, die zum Aubrac Pass führt, wie eine unauffällige Linie, die den Wanderer sanft den Höhen entgegenleitet. Denn trotz seines Namens ist der Aubrac kein schroffes Gebirge, sondern eine Landschaft sanfter Formen, mit bescheidenen Erhebungen, die dennoch einen ganz eigenen Charakter besitzen. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Die Straße führt weiter bis zu einer Abzweigung, die den Aubrac Pass ankündigt, einen symbolischen Übergang weit mehr als einen eigentlichen Gipfel, denn diese Landschaft lebt von feinen Nuancen und nicht von schwindelerregenden Höhen. |
|
![]() |
![]() |
|
Hier, beim kleinen Weiler Le Coustat, nur wenige Schritte von Nasbinals entfernt, verlässt der GR65 das Asphaltband und findet wieder zur freieren Weite der Wege zurück. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Hinter dem Weiler steigt der Weg sanft an, zunächst noch über den Asphalt, dann über einen steinigen Weg, der unter das Blätterdach eines Laubwaldes führt. Die Kiefern verschwinden allmählich und machen kräftigen, tief verwurzelten Eichen Platz. Buchen, Ahornbäume und Eichen verweben ihre Äste miteinander und bilden stellenweise regelrechte grüne Gewölbe, schattige Tunnel, in denen das Licht selten und kostbar erscheint. |
|
![]() |
![]() |
|
Schon wenig später öffnet sich die Landschaft wieder, als würde auch der Blick selbst tief durchatmen, und an die Stelle des Waldes treten die Hecken der Bocage-Landschaft. |
|
![]() |
![]() |
|
Dieser Wechsel der Vegetation verändert die Wahrnehmung vollkommen. Der Aubrac scheint sich verwandelt zu haben. Die Kiefern sind verschwunden, vereinzelt erscheinen Eschen, und dennoch grasen unverändert die Rinder hinter den Granitmauern, die von Reihen aus Stacheldraht gekrönt werden. |
|
![]() |
![]() |
|
Der Weg führt an einem steinernen Kreuz vorbei, einem stillen Zeugen vergangener Zeiten, und steigt anschließend sanft durch die Weiden an, während in der Ferne die dichten Wälder des Aubrac den Horizont bewachen. Die Erde besitzt hier eine graue, fast staubige Färbung, der Boden erinnert an feinen Kies. Alles wirkt dunkler, selbst der Granit der Trockensteinmauern scheint einen tieferen Farbton angenommen zu haben. |
|
![]() |
![]() |
|
Die gesamte Landschaft erscheint gedämpfter, als hätte der Aubrac seit dem Vortag sein Gesicht verändert. Die Bäume sind zahlreicher geworden, die Wälder deutlich präsenter. Fast drängt sich eine leise Frage auf: Haben die Mönche einst bewusst darauf verzichtet, gerade diesen Teil des Landes zu roden, und ihn seinem ursprünglichen Charakter überlassen? |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Der Weg scheint nun zwischen den sonnigen Weiden und der stillen Geborgenheit des Waldes zu schwanken, als könne er sich selbst nicht entscheiden, welcher Landschaft er folgen möchte. . |
|
![]() |
![]() |
|
Bald erreicht er den Pascalet-Bach, der über eine schlichte Brücke überquert wird. Das kleine Gewässer besitzt zahlreiche Verzweigungen, weit mehr, als seine geringe Wasserführung vermuten lässt, als würde es sich lieber in viele Arme aufteilen, als zielstrebig dahinzufließen. |
|
![]() |
![]() |
|
Anschließend setzt sich der sanfte, aber stetige Anstieg am Hang fort. Unter den Schritten wird der Weg zunehmend steinig und rau, während er sich zwischen den Sträuchern hindurchwindet. Auch das Gestein verändert sich. Nicht mehr der Granit prägt das Bild, sondern dunkle Überreste von Basalt, die dem Boden eine rauere, beinahe vulkanische Struktur verleihen. |
|
![]() |
![]() |
|
Der Weg führt nun durch eine Landschaft, die niemals gewöhnlich wirkt, weil sie gleichermaßen von der Geografie, der Zeit und der Arbeit des Menschen geprägt wurde. Landwirtschaft und insbesondere die Viehzucht haben jede Geländekante und jede Parzelle geformt. Überall grasen Rinder auf dem kargen Gras, das dem Wind und den Jahreszeiten mühsam abgerungen wird. Von Mai bis Oktober verbringen junge Kühe, Bullen und Kälber den Sommer auf diesen Höhen, bevor sie mit dem Herannahen des Winters wieder in tiefere und mildere Regionen zurückkehren. Hirten sucht man hier vergeblich. Die Tiere bewegen sich frei über Weiden und Heideland und werden lediglich durch die strengen Linien der Stacheldrahtzäune begrenzt. |
|
![]() |
![]() |
|
Die Aubrac-Rinder besitzen eine ganz besondere Eleganz. Ihre Schnauze, die Augenlider und die Ränder ihrer Wimpern sind von einem hellen Saum eingefasst, als wären sie mit feinem Geschick geschminkt worden. Ihr goldbraunes Fell fängt das Licht ein, während ihre Hörner eine edle Silhouette zeichnen. Die Bullen, deren Fell meist heller ist, tragen diese eindrucksvollen Hörner heute häufig nicht mehr. Auf dem Hochplateau dient die Zucht inzwischen vor allem der Fleischproduktion. Die Tiere gelten als ausgesprochen friedlich, auch wenn einzelne Exemplare daran erinnern, dass Sanftmut Wachsamkeit nicht ausschließt. Mancherorts hält daher ein doppelter Elektrozaun allzu neugierige Wanderer davon ab, einem wenig geselligen Bullen zu nahe zu kommen. |
|
![]() |
![]() |
|
Schließlich erreicht der Weg einen landwirtschaftlichen Betrieb von nahezu beeindruckender Größe, den Hof Pascalet-Ginestouse. Ihn als groß zu bezeichnen, wäre fast eine Untertreibung. Die Weiden scheinen sich endlos bis an den Rand der Wälder auszudehnen, die bald erklommen werden müssen. Das Anwesen besteht aus zahlreichen Gebäuden, Bauernhöfen und verstreut liegenden „Burons“ und bildet ein weitläufiges, beinahe labyrinthartiges Ganzes. Überall verfolgen die Aubrac-Rinder den vorbeiziehenden Pilger mit ihrer ruhigen Gelassenheit und ihren großen, samtigen Augen, in denen sich eine beinahe wohlwollende Sanftmut spiegelt. „Pilger, setze deinen Weg fort“, scheinen sie ihm lautlos zuzuflüstern. |
|
![]() |
![]() |
Abschnitt 2: Auf den großen „Drailles“
Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Angenehmer Anstieg, der erst im Bereich des Passes etwas kräftiger wird.
|
Nun erscheinen die ersten großen „Drailles“, jene uralten Viehpfade, die sich einmal grasbewachsen, dann wieder steinig durch die Landschaft ziehen, den Trockensteinmauern folgen und seit Jahrhunderten den langsamen Zug der Herden begleiten. |
|
![]() |
![]() |
|
Der Weg steigt oberhalb eines Bauernhofes an und scheint zwischen Himmel und Erde zu schweben. Die Landschaft öffnet sich zu einer nahezu grenzenlosen Weite, in der der Blick des Wanderers sich verliert, unfähig, das Ziel der eigenen Schritte zu erfassen. Weiter unten zeichnet sich auf der anderen Seite der „Draille“ ein weiterer Gebäudekomplex ab, weit entfernt und beinahe unauffällig, vermutlich ein Zeichen dafür, dass dieses Land einst mehreren Besitzern gehörte. Bald versperrt ein Gatter den Weg. Es besteht aus einfachen Metallkonstruktionen, die sich leicht versetzen lassen und von den Bauern je nach Bedarf an einen anderen Ort gebracht werden, provisorische Übergänge in einer offenen Landschaft. |
|
![]() |
![]() |
|
Hier erinnert nichts mehr an die streng gegliederte Landschaft des Aubrac vor Nasbinals. Die Weiden erstrecken sich ohne erkennbare Unterteilung bis zum Horizont und werden lediglich von einigen Elektrozäunen begrenzt, unauffälligen Hütern einer lockeren Ordnung. Weder unüberwindbare Steinmauern noch feindselige Stacheldrahtzäune bestimmen das Bild, sondern nur eine feine, fast symbolische Grenze. |
|
![]() |
![]() |
|
Gerade diese „Drailles“ scheinen sich jeder eindeutigen Erklärung zu entziehen. Sind sie das Werk des Menschen, bewusst angelegt und geplant, oder entstanden sie langsam durch das beharrliche Voranschreiten der Herden über viele Jahrhunderte hinweg? Wahrscheinlich sind sie beides zugleich, das Ergebnis menschlichen Willens und tierischer Gewohnheit. |
|
![]() |
![]() |
|
Im Aubrac überragt ein Ereignis alle anderen, die Transhumanz, der saisonale Auftrieb der Herden auf die Sommerweiden. Rund um den Sankt-Urban-Tag am 25. Mai schmücken sich die Tiere mit Federn, Pompons, Bändern und Blumen, als würden sie selbst ihr großes Fest feiern. So geschmückt ziehen sie hinauf auf die Hochflächen, wo sie den Sommer unter weitem Himmel und den kräftigen Winden des Aubrac verbringen. Erst zum Sankt-Guiral-Tag am 13. Oktober kehren sie wieder ins Tal zurück. Früher lebten während dieser Sommermonate die „Buronniers“ hier oben. Aus einfachen Unterständen, die zunächst nur Schutz vor den Elementen boten, entstanden nach und nach die „Burons“, massive Steinhäuser mit Schieferdächern, zugleich Unterkunft und Käserei. Hier wurde unter der Leitung des „Cantalès“, des Käsemeisters, der berühmte Käse hergestellt und zur Reife gebracht. Der „Bedeliè“ kümmerte sich um die Herden und führte sie zu den besten Weideflächen, während der „Pastre“ zweimal täglich mit beinahe ritueller Regelmäßigkeit die Kühe molk. Unterstützt wurden sie vom „Rol“, einem jungen Helfer, der das Handwerk von den Älteren erlernte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten rund 1.200 „Buronniers“ in etwa 300 „Burons“ und erzeugten nahezu 700 Tonnen Käse. Dafür waren mindestens 15.000 Milchkühe auf den Hochflächen erforderlich. Doch bereits in den 1930er Jahren begann diese Welt langsam zu verschwinden. Die Produktion ging unaufhaltsam zurück, und ein Buron nach dem anderen wurde aufgegeben. Im Jahr 1950 wurden nur noch rund 25 Tonnen Käse hergestellt. Die Abgeschiedenheit, die Härte des Lebens und der wachsende Wunsch nach einem bequemeren Alltag machten es immer schwieriger, Arbeitskräfte zu finden. Der selten gewordene Käse erreichte schließlich nahezu unerschwingliche Preise. Hinzu kommt eine weitere Tatsache. Die Aubrac-Kühe, berühmt für ihre dunklen, sanften Augen, liefern vergleichsweise wenig Milch. Mit einer Jahresleistung zwischen 1.550 und 2.000 Litern bleiben sie weit hinter den großen Milchrassen zurück, die bis zu 10.000 Liter erreichen können. Deshalb wandten sich viele Züchter nach und nach anderen Rassen zu, insbesondere der aus Nordeuropa stammenden Holstein und der aus der Schweiz stammenden Simmentaler. Heute stammen rund 90 Prozent der Milch für die Herstellung des Laguiole, des berühmtesten Käses des Aubrac, von Simmentaler Kühen. Seit 2004 schreibt eine strenge Regelung sogar vor, dass für seine Herstellung ausschließlich Milch von Aubrac- und Simmentaler Kühen verwendet werden darf. Dennoch begegnet man diesen Milchrassen auf den windgepeitschten Hochflächen nur selten. Die Aubrac-Rasse besitzt bis heute zahlreiche Anhänger. Viele Menschen wünschen sich eine Rückkehr zur ursprünglichen Rasse und möchten zugleich verhindern, dass die „Burons“ endgültig zu bloßen Touristenattraktionen werden. Mehr als 150.000 Aubrac-Rinder durchstreifen noch immer diese Landschaft und bewahren auf ihre Weise das lebendige Erbe des Hochplateaus. |
|
![]() |
![]() |
|
Die Weiden ziehen sich endlos an den Hängen entlang und gleichen einem unbewegten Meer, dessen sanfte Wellen am Horizont mit dem Himmel verschmelzen. |
|
![]() |
![]() |
|
Noch einmal versperrt ein Gatter in der Nähe eines „Buron“ den Weg, doch dahinter gewinnt die Landschaft noch mehr Weite und Größe. Der Weg setzt seinen ruhigen Verlauf mitten durch die ausgedehnten „Drailles“ fort und passiert hier und dort einzelne Felsblöcke, die Frost und Winter aus dem Boden gedrückt haben, stille Zeugen der rauen Jahreszeit. |
|
![]() |
![]() |
|
Hoch oben erhebt sich ein „Buron“, der scheinbar zwischen Himmel und Erde schwebt und wie auf dem Gipfel der Zeit über der Landschaft wacht. |
|
![]() |
![]() |
|
Weiter oben verliert die raue Offenheit der „Drailles“ für einen Augenblick ihre Strenge, als sich ein kleiner Wald nähert. Eichen bestimmen hier das Bild, begleitet von Kastanienbäumen und Eschen, die dieses grüne Refugium umgeben. Der tiefrote Boden ist vom Wasser durchtränkt, das reichlich aus dem schweren Erdreich hervorquillt. Vielleicht haben die Bauern gerade diesen feuchten, beinahe sumpfigen Wald erhalten, um ihre Tiere vor den tückischen Schlammstellen zu bewahren. Denn hier geschieht nichts zufällig. Jede Entscheidung und jede Handlung folgt einer über Generationen gewachsenen Erfahrung. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Am Waldrand setzt die Strecke ihren Verlauf fort und führt erneut durch die offene Weite der Weiden. |
|
![]() |
![]() |
| Über den „Burons“ zeichnet sich in der Ferne der markante Kegel der „Trois Évêques“ ab, einst Grenzpunkt dreier Bistümer und heute Treffpunkt der Départements Cantal, Lozère und Aveyron. Die kahlen, stillen Heidelandschaften reichen bis zum Kamm hinauf, wo der Blick schließlich an der Linie des Himmels verweilt. | |
![]() |
![]() |
|
Erneut begleiten diese eindrucksvollen „Drailles“ den Weg, tiefe Spuren, die sich geduldig durch die Landschaft ziehen. In einer derart weiten Landschaft können die Trockensteinmauern kaum nur dekorativen Zwecken dienen. Wahrscheinlich wurden sie errichtet, um das Vieh zu lenken und vom benachbarten Wald fernzuhalten. Alles spricht dafür. Weiter oben wird der Anstieg entlang des „Draille“ spürbar steiler, und Schritt für Schritt rückt der Pass näher. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Ein letzter „Draille“ führt schließlich zum höchsten Punkt der Strecke auf 1.364 Metern Höhe. Nur ungern verlässt man diese tiefen Spuren, die Menschen und Tiere über Jahrhunderte hinweg in den Boden gezeichnet haben. Sie erzählen eine Geschichte, die sich in jeder Furche fortsetzt. Was die Natur über unendlich lange Zeit erschaffen hat, vermag der Mensch mitunter erstaunlich rasch zu verändern. Neben dem kleinen steinernen Kreuz auf der Höhe steht heute eine wenig passende Hütte, die eher an die Bergstation eines Skilifts als an einen Unterstand in den Bergen erinnert. Denn auch der Aubrac ist im Winter ein Ziel für Freunde des Schnees. |
|
![]() |
![]() |
|
Der Weg scheint nun selbst innezuhalten. Gemächlich folgt er dem Höhenrücken, begleitet von den Trockensteinmauern und ihren Stacheldrahtzäunen, als wolle auch er sich Zeit nehmen, die Weite der Landschaft zu betrachten. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Am Ende dieses Höhenzuges öffnet sich schließlich der Blick auf das Dorf Aubrac, das ruhig im Tal darunter liegt und von der Strecke aus mit stiller Erhabenheit überragt wird. |
|
![]() |
![]() |
Abschnitt 3: Durch Aubrac, das kleine Juwel des Hochplateaus
Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Nach Aubrac wird die Strecke allmählich anspruchsvoller. Die Hänge werden stetig steiler und auch die Steine unter den Füßen nehmen zu.
Schon bald tauchen unterhalb die schiefergedeckten Türme von Aubrac auf und heben sich mit schlichter Eleganz vom Horizont des Hochplateaus ab.
|
Eine schneeweiße Marienstatue wacht still über den kleinen Weiler, wie eine schützende Gestalt zwischen Himmel und Erde. |
|
![]() |
![]() |
|
Unweit davon erhebt sich die mächtige Silhouette des Royal Aubrac, eines geschichtsträchtigen Gebäudes, das den Glanz vergangener Zeiten bewahrt und zugleich einer neuen Zukunft entgegensieht. Bereits zur Zeit von Adalard zog das Kloster „Notre-Dame des Pauvres“ nicht nur Pilger an, sondern auch Menschen jeder Art, die Hilfe suchten, Leprakranke, Tuberkulosekranke und heimatlose Wanderer. Diese Tradition des Empfangens und Heilens setzte sich noch bis ins 20. Jahrhundert fort, als Aubrac erneut zu einem Ort der Genesung wurde. Damals glaubte man an die heilsame Wirkung der klaren, nach Wald duftenden Luft auf geschwächte Lungen. Auch die Geschichte des Gebäudes selbst ist von Geheimnissen umgeben, ganz wie das Hochplateau, auf dem es steht. Bereits 1895 entstand die Idee, dass ein Aufenthalt an der frischen Luft in Verbindung mit gesunder Ernährung, insbesondere mit Milch, den Kranken Linderung verschaffen könne. Im Jahr 1902 wurde das Gebäude unter der Leitung von Doktor Saunal in ein Sanatorium umgewandelt. Später entstand daraus das Royal Hôtel, das gemeinsam mit dem Astoria und dem International in Vichy betrieben wurde. Mit mehr als sechzig Zimmern und für jene Zeit außergewöhnlichem Komfort, fließendem Wasser, Elektrizität und Sanitäranlagen auf jeder Etage, verkörperte es einen Hauch von Luxus mitten im Aubrac. Heute sind in der Gemeinde nur noch sieben Einwohner gemeldet. In den 1960er Jahren erhielt das Gebäude eine neue Bestimmung als Ferienzentrum und Tagungsstätte, bevor es nach und nach den rauen Witterungsbedingungen überlassen wurde. Im Jahr 2008 wurde es von einem Privatbesitzer erworben und befindet sich seither in einer neuen Phase der Umgestaltung. |
|
![]() |
![]() |
|
Anschließend überquert der Weg die D589, jene Departement Straße, die den Aubrac durchquert und Sie bereits seit vielen Kilometern begleitet. Gleich unterhalb, am Eingang des Weilers, lädt ein zeitgenössisches Kunstwerk des elsässischen Bildhauers Jean-Claude Lanoix zum Innehalten ein. Darauf steht der Satz: „In der Stille und in der Einsamkeit hört man nur noch das Wesentliche.“ Blickt man durch den Kreis der Skulptur, erscheinen die Marienstatue oberhalb und die Dômerie darunter in einer einzigen Blickachse, als würden sie durch denselben Geist miteinander verbunden. |
|
![]() |
![]() |
Aubrac liegt nun unmittelbar vor Ihnen, geheimnisvoll, herb und zugleich von beeindruckender Schönheit. Hier befindet sich das eigentliche Herz des Hochplateaus. Wer aus dem Osten kommt, erblickt zuerst die Kirche „Notre-Dame des Pauvres“ mit ihren romanischen Bögen und ihrem schlichten Glockenturm, danach die „Tour des Anglais“, den steinernen Wächter vergangener Zeiten. Das Dorf selbst ist kaum größer als ein Taschentuch, klein und kompakt, während etwas unterhalb ein kleiner See still und beinahe vergessen liegt. Niemand scheint genau sagen zu können, weshalb die Mönche ihr Kloster nicht näher an diesem ruhigen Gewässer errichteten. Die Pilger verirren sich jedenfalls nur selten dorthin.
|
Der Weiler liegt auf 1.260 Metern Höhe und besteht heute aus den Resten des ehemaligen Klosters sowie einigen Hotels. Wegen seiner geringen Ausdehnung fällt es schwer, sich die Größe der mittelalterlichen Klosteranlage vorzustellen. Einige ursprüngliche Gebäude sind bis heute erhalten geblieben. Eines stammt aus dem 12. Jahrhundert und diente einst als Hospital mit seinen schönen schmalen Fenstern. Ein weiteres ist die dreißig Meter hohe Tour des Anglais, deren Südseite von sechs Öffnungen durchbrochen wird. |
|
![]() |
![]() |
|
Die Kapitelkirche „Notre-Dame des Pauvres“ im byzantinischen Stil ist vollständig erhalten geblieben. Ihr stilles, beinahe feierliches Inneres lädt zur Einkehr ein. Das schlichte Pfarrhaus ohne besondere architektonische Merkmale ergänzt das Ensemble. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Ein Blick in die Geschichte: Das Kloster von Aubrac bildete einst einen weitläufigen, von Mauern umgebenen Komplex mit Wohngebäuden der Mönche, Kreuzgang, Friedhof, Schmiede, Backhaus und sogar Gefängnissen, im Grunde ein kleines Dorf. Über seinem Tor war der eindrucksvolle Satz eingemeißelt: In loco horroris et vastae solitudinis, „an einem Ort des Schreckens und der weiten Einsamkeit“. Außerhalb der Mauern boten Herberge und Stallungen Pilgern und Reisenden Unterkunft. Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1216 durchquerte Adalard d’Eyne um das Jahr 1100 auf seiner Pilgerreise nach Santiago diese unwirtliche Gegend, die damals von Räubern heimgesucht wurde. Einer Überlieferung zufolge überlebte er wie durch ein Wunder einen Überfall, einer anderen zufolge erschütterte ihn der Anblick eines Massakers an Pilgern so sehr, dass er gelobte, an dieser Stelle eine Zuflucht zu errichten. Um das Jahr 1120 entstand so ein Klosterhospital, das den Reisenden Schutz und Unterkunft bot. Priester, Ritter, Laienbrüder und „Donaten“ bildeten eine gut organisierte Gemeinschaft im Dienst der Pilger und Kranken. Unter der Leitung der Mönche wurden die Wälder nach und nach gerodet und in Weideland umgewandelt, das den Reichtum des Klosters begründete. Unter dem Schutz des Papstes und mit Unterstützung der örtlichen Herren erlebte die Dômerie trotz Plünderungen und der Wirren des Hundertjährigen Krieges über Jahrhunderte eine Blütezeit. Ab dem 15. Jahrhundert setzte jedoch mit der Einführung des Kommendewesens ein langsamer Niedergang ein. Die Einkünfte wurden zweckentfremdet, die Disziplin ließ nach und Korruption breitete sich aus. Im Jahr 1792 beendete die Französische Revolution die Geschichte der Gemeinschaft. Die Ordensleute wurden vertrieben und das Hospital aufgegeben. Einst fanden hier Tausende von Pilgern Zuflucht, die im Nebel vom Klang der „Glocke der Verirrten“ geleitet wurden, deren Läuten ihnen den sicheren Weg wies. Auch heute erinnert eine moderne Glocke an diese alte Tradition. Selbst die Landschaft trägt die Spuren dieser Geschichte. Der ursprüngliche Wald ist verschwunden und einem offenen Hochplateau gewichen, das durch die Weidewirtschaft geprägt wurde. Die Mönche entwickelten ein ausgeklügeltes agro-pastorales System, das Landwirtschaft in den Tälern mit Viehzucht auf den Höhen verband und damit die Grundlage für den Laguiole-Käse sowie für Traditionen wie den Aligot schuf. Geblieben sind heute vor allem der unermessliche Himmel, die karge Weite des Hochplateaus und jene tiefe Stille, die zur Besinnung einlädt. Im Jahr 1353 wurde der dreißig Meter hohe Turm errichtet, um den Ort gegen Räuber und die englischen Truppen des Hundertjährigen Krieges zu verteidigen, daher auch sein Name „Tour des Anglais“. Heute dient der Turm als Herberge und bietet eine einfache, aber ausgesprochen stimmungsvolle Unterkunft. Für einen bescheidenen Preis befinden sich die Sanitäranlagen auf dem Dorfplatz. Wer mehr Komfort sucht, findet ihn im Hôtel de la Dômerie oder in außergewöhnlicheren Unterkünften wie der Annexe de l’Aubrac mit ihrem barocken und behaglichen Ambiente oder in der Colonie, wo Cyrille eine ehemalige Ferienkolonie in ein originelles Ensemble aus Zimmern, Apartments und Antiquitätenladen verwandelt hat. |
|
![]() |
![]() |
|
Heute besteht Aubrac im Wesentlichen aus einem großen Platz am Zusammentreffen der Straßen, rund um die Dômerie und einige Unterkünfte. Das landwirtschaftliche Leben ist längst verschwunden, auch wenn verschiedene Einrichtungen für Besucher versuchen, die Erinnerung daran lebendig zu halten. Ganz gleich, für welche Unterkunft man sich entscheidet, die Nacht verläuft hier für die Pilger ruhig und erholsam. Viele von ihnen legen gerade an diesem Ort ihre Etappe ein. |
|
![]() |
![]() |
|
Hinter Aubrac verändert sich die Landschaft beinahe schlagartig. Der Weg verlässt die weiten Flächen des Hochplateaus und wendet sich den ersten bewaldeten Ausläufern des Lot-Tals zu. Auf dem traditionellen GR65 folgt die Strecke zunächst eine Zeit lang der D987 in Richtung Espalion, die letzten sanften Wellen und Ausläufer des Hochplateaus, bevor der eigentliche Abstieg beginnt. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Dann löst sich der Weg plötzlich von der Straße und führt in eine neue, verborgenere und stillere Landschaft. |
|
![]() |
![]() |
|
Ein schmaler, oft steiniger Pfad senkt sich langsam bergab und windet sich zwischen Haselsträuchern, Büschen, Ginster und Hainbuchenhecken hindurch. Die Vegetation wird dichter und vertrauter. Hohes Gras, Wildrosen, Weißdorn, Vogelbeerbäume und Schlehen begleiten nun den Wanderer und vermitteln den Eindruck, allmählich in eine geschlossenere und belebtere Natur einzutauchen. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Nach und nach führt der Weg tiefer in den Wald hinein. Die Steigung macht einer deutlicheren Neigung Platz, und der Boden zeigt die Spuren der vielen Wanderer, die ihn über die Jahre begangen haben. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Weiter unten erreicht der Weg eine kleine ebene Stelle mitten im dichten Wald, wo der unscheinbare Adrech Bach fließt. Noch halten sich die Steine in Grenzen, doch die Laubbäume werden höher und mächtiger und schließen langsam ihr Blätterdach über dem Wanderer. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Vor allem hoch aufragende Eschen, Hainbuchen, hellstämmige, beinahe silbrig wirkende Buchen, ausladende Kastanienbäume und stattliche Ahornbäume prägen diesen Wald. Eichen und Nadelbäume treten hier deutlich in den Hintergrund. |
|
![]() |
![]() |
Noch etwas tiefer erscheint ein steinernes Kreuz, das die Landschaft gliedert und zugleich an das jahrhundertealte Gedächtnis dieser Wege erinnert.
![]() |
![]() |
|
Schließlich verlässt der Weg den Wald und erreicht eine offene, stille Hochfläche mit beinahe steppenhaftem Charakter. Ein einsames Holzkreuz scheint dort die Weite der Landschaft zu vermessen. Von hier öffnet sich der Blick bereits auf die ersten Ausläufer des Lot-Tals. Trotz dieses Landschaftswechsels befinden Sie sich noch immer im Aubrac, woran die Trockensteinmauern und die Stacheldrahtzäune erinnern. Die Strecke verläuft nun auf halber Höhe über die letzten Ausläufer des Hochplateaus. Der Pfad entfaltet sich wie eine natürliche Rutschbahn in einer Folge sanfter Absätze, als würde er zwischen Zurückhaltung und Hingabe schwanken. Eines jedoch ist sicher: Der Abstieg zum Lot ist unausweichlich und bereits in der Form der Landschaft eingeschrieben. |
|
![]() |
![]() |
Abschnitt 4: Gefälle und Steine, das volle Programm
Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: dDer Abstieg ins Lot-Tal ist meist anspruchsvoll, nicht immer wegen der Steigung, sondern vor allem wegen des Zustands des Weges./span>
|
Zu Beginn wirkt der Abstieg fast sanft. Der Weg folgt Trockensteinmauern, die von Ginster und hohem Gras überwuchert sind, als zögere er noch, das Hochplateau endgültig zu verlassen. |
|
![]() |
![]() |
Doch bald kippt alles. Der Wanderer beginnt einen entschlossenen Abstieg zum Talgrund, über ein Chaos unregelmäßiger Steine. Steine, noch mehr Steine, immer wieder Steine, in allen Größen, begleiten einen steilen Hang, der von moosbewachsenen Mauern gesäumt wird.
|
Jeder Schritt verlangt nun Aufmerksamkeit. Man muss den Halt wählen, die Bewegung abwägen. Weiter unten gleitet der Blick zur Schlucht, in der sich die Boralde de St Chély windet. Gegenüber erhebt sich bereits ein Hügel, Verheißung einer künftigen Anstrengung. Denn man weiß es: Nach dem Abstieg wird der Wiederaufstieg kommen. So sind die Wege. |
|
![]() |
![]() |
|
Vereinzelte, verlassene Steinhäuser setzen Akzente in dieser herben Landschaft, in der Geröll und Stille vorherrschen, wie Überreste einer ausgelöschten menschlichen Gegenwart. |
|
![]() |
![]() |
|
Bald erscheint der Weiler Belvezet, eine bescheidene Ansammlung massiver Gebäude mit Schieferplattendächern, die sich stellenweise so tief neigen, dass sie beinahe den Boden berühren. |
|
![]() |
![]() |
|
Gleich unterhalb umgeht der Pfad mächtige Basaltpfeiler, Überreste eines alten Vulkanschlots, den die Erosion freigelegt hat und der an jene des Puy erinnert. Auf der Höhe bleiben die Ruinen einer feudalen Burg erhalten, an den Felsen geklammert wie eine hartnäckige Erinnerung. |
|
![]() |
![]() |
|
Hier besteht noch ein diskretes, friedliches Hirtenleben, bevor der Weg erneut mit frischer Härte in das kleine Tal hinabtaucht. |
|
![]() |
![]() |
|
Auf diesem Hang des Aubrac sind die Pfade steil, steinig und manchmal tückisch, eingezwängt zwischen Mauern und Trockensteinmauern. Schlamm kann sie übermäßig rutschig machen. Dennoch zeigt sich die Vegetation üppig: Eschen, Buchen, Eichen, Ahornbäume und Kastanien drängen sich hinter den Mauern in beinahe wilder Fülle. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Vielleicht begegnen Sie hier der Rinderrasse Salers: mahagonifarbenes oder schwarzes Fell, lange gelockte Haare, leierförmige Hörner, eine zugleich rustikale und elegante Erscheinung, sinnbildlich für den Cantal. Einige Züchter bemühen sich darum, die ursprüngliche, noch dunklere Rasse wiederzubeleben, die aus sehr alten Zeiten zu stammen scheint. Die braunen Kühe, so sagt man, zeigen sich den Wanderern gegenüber gern neugierig, die zahlreich auf dieser Strecke nach St Chély d’Aubrac unterwegs sind. |
|
![]() |
![]() |
|
Der Weg nimmt nun den Charakter eines alten Müllerweges an, gesäumt von moosbedeckten Steinen und eingeschnitten in Kalkstein und Schiefer. Felsen und Wurzeln verflechten sich unter den Füßen und bilden ein chaotisches Gelände. Man denkt mit Erstaunen daran, dass einst Ochsenkarren diese Passagen benutzten. Stellenweise bleibt nur noch ein grober Steinhaufen, auf dem der Fuß beinahe widerstandslos wegrutscht. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Weiter unten schenken einige seltene Augenblicke der Entspannung den Sehnen eine kurze Gnade. |
|
![]() |
![]() |
|
Dann beruhigt sich plötzlich alles. Die Steigung wird wirklich sanfter, und der Pfad verläuft eben unter dem Blätterdach der Laubbäume, unter denen hier zahlreiche Kastanien dominieren. |
|
![]() |
![]() |
|
Doch diese Ruhe bleibt nur eine Klammer im Abstieg. Sehr bald beginnt der Tanz von Neuem. |
|
![]() |
![]() |
|
Diese Landschaften erzählen von einem langsamen, fordernden, beinahe initiatischen Abstieg, einem Übergang zwischen zwei Welten. Der Pfad ist nur noch ein Bett aus unregelmäßigen Steinen, von Zeit und Schritten glattgeschliffen, das sich unter den Bäumen zwischen feuchten Böschungen und freiliegenden Wurzeln hindurchwindet. Jeder Schritt muss ausgehandelt und abgewogen werden, so sehr zwingt das Gelände dem Wanderer sein Gesetz auf. |
|
![]() |
![]() |
|
Weiter entfernt wird die Steigung noch härter. Der Weg wird unsicher, eingeschnitten in Erde und Fels. Der Wald zieht sich enger zusammen und mischt Farne, Gräser und junge Triebe zu einer fast schützenden Frische. |
|
![]() |
![]() |
|
Der Pfad zieht sich nun gewunden dahin, hartnäckig steinig, wie ein alter, von Jahrhunderten abgenutzter Durchgang. Die Steine, überall gegenwärtig, im Boden verankert oder in den Mauern aufgeschichtet, welche die Böschungen stützen, zeugen von einer Landschaft, die ebenso sehr von Menschenhand wie von Naturkräften geformt wurde. Die Wurzeln schieben sich dazwischen, klammern sich daran fest und weben ein lebendiges Netz mitten in den Felsen. Es ist ein Ort, an dem man ebenso mit dem Körper wie mit dem Blick hinabsteigt, hinabgezogen zu dem, was sich nach und nach enthüllt. |
|
![]() |
![]() |
|
Dann öffnet sich der Horizont plötzlich ein wenig, unterbrochen von aufragenden Steinmassen, die wie Totems wirken und von der Natur selbst dort abgelegt wurden. |
|
![]() |
![]() |
|
Etwas weiter unten erscheinen einige Spuren der Zivilisation, wie von der Zeit vergessen, stille Überreste einer Gegenwart, die nun erloschen ist. |
|
![]() |
![]() |
Bald erreicht der Weg den Adret-Bach, und die Strecke wird noch heikler. Ein unmissverständliches Schild fordert Tierführer und Radfahrer auf, St Chély d’Aubrac über die Straße zu erreichen. Bei Regen gebietet die Vernunft, diesem Rat zu folgen.
|
Für Liebhaber schwieriger Passagen bietet die Querung des Baches, mitten im wilden Gras und an einem steilen Hang, kaum Anlass zur Freude. Nach diesem unsicheren Abschnitt, an dem selbst der Picknicktisch kaum zur Rast einlädt, darf man endlich aufatmen. Der Asphalt ist nicht mehr weit, Verheißung eines gefügigeren Bodens. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Für die weniger Wagemutigen führt ein schöner Weg sanfter in den Wald hinein und bietet einen milderen, ruhigeren Abstieg. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Er erreicht rasch die Straße. Damit sind die steinigen und gequälten Pfade zu Ende. Der Abstieg von 1.366 auf 875 Meter Höhe will verdient sein, und nun übernimmt der Asphalt die Aufgabe, den Wanderer ohne Mühe bis ins Dorf zu führen. |
|
![]() |
![]() |
|
Die Straße führt durch üppige Vegetation hinab und lässt stellenweise das unten liegende Dorf erahnen. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Kurz vor den ersten Häusern löst sich ein Pfad von der Straße und führt direkter zum Herzen des Dorfes. |
|
![]() |
![]() |
|
St Chély d’Aubrac breitet sich weit in der Ebene aus. Die Strecke führt lange an den Häusern entlang, bevor sie das Zentrum erreicht. Es ist ein Dorf voller Charme mit rund 530 Einwohnern, in dem zahlreiche Pilger Halt machen. Zugleich ist es ein bevorzugter Ausgangspunkt, um die vielen Pfade des Aubrac zu erkunden. Der Abschnitt von Nasbinals nach St Chély d’Aubrac gehört seit 1998 zum UNESCO-Welterbe, ebenso wie der Pont des Pèlerins mit seinem Steinkreuz, den Sie morgen überqueren werden. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Die romanische Kirche, deren Ursprünge bis ins 11. und 12. Jahrhundert zurückreichen, wurde im 15. Jahrhundert nach einem Brand während des Hundertjährigen Krieges wieder aufgebaut. Erhalten sind auch ein Turm der alten Befestigungsanlagen und ein Glockenturm. Im Inneren entdeckt man unter anderem eine Kopie eines Rubens sowie ein gotisches Flachrelief, das Christus mit vier Aposteln zeigt. |
|
![]() |
![]() |
|
Das Dorf bewahrt auch einen Turm aus dem 15. Jahrhundert, der einst den „Chapelains de Cuisinis“ gehörte. Heute ist er in Privatbesitz und wurde in ein elegantes Gästehaus umgewandelt. |
|
![]() |
![]() |
|
In der Saison bringt das Tourismusbüro eine sanfte Lebendigkeit in den Ort. Am Fuß des Turms stricken und plaudern liebenswerte Dorfbewohnerinnen und bewahren so eine einfache, herzliche Lebenskunst. |
|
![]() |
![]() |
|
Hier sind selbst die Holzfäller und Pilger nicht immer aus Fleisch und Blut. Als starre Silhouetten oder diskrete Kunstwerke bevölkern sie das Dorf mit einer unerwarteten Gegenwart. |
|
![]() |
![]() |
Abschnitt 5: Eine Alternative bei schlechtem Wetter
| Es gibt eine Alternative zum GR65 für alle, die steile Abstiege auf steinigen Wegen und über große Steine wenig schätzen, oder bei Regenwetter. Man folgt einfach der D533, der asphaltierten Straße, die direkt nach St Chély d’Aubrac hinabführt. Die Strecke beträgt 8,4 Kilometer.
Der Fahrzeugverkehr ist sehr ruhig. Die Straße folgt einem schönen Tal, in dem die Boralde de Chély fließt, ein kleiner Fluss, der weiter unten in den Lot mündet. Hier einige Eindrücke dieser Strecke. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Unterkünfte auf der Via Podiensis
-
- Gîte communal La Tour des Anglais, Aubrac; 05 65 44 28 42/05 65 44 27 08; Gîte, Küche
- La Colonie, Cyrille Lérisse, Aubrac; 05 65 51 64 79; Pension, Abendessen, Frühstück
- L’Annexe de l’Aubrac, Aubrac; 06 75 88 41 19; Pension, Abendessen, Frühstück
- La Dômerie de l’Aubrac**, Aubrac; 05 65 44 28 42; Pension, Abendessen, Frühstück
- Gîte Lo Masuquet, Aubrac; 06 48 26 32 30; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Camping Au Bord de la Boralde, St Chély d’Aubrac; 06 32 90 71 64; Zelte, Küche
- Gîte St André, Victoria et Michel (pèlerins) Chemin de la Vallée Libre, St Chély d’Aubrac; 07 67 17 54 43; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte Le Relais St Jacques, Mme Vidal, 85 Route de la Baraquette, St Chély d’Aubrac; 06 47 32 04 08; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte La Belle Etoile de Compostelle, Hélène et Guillaume (pèlerins), Place de l’Église, St Chély d’Aubrac; 06 85 22 69 00; Gîte, Abendessen, Frühstück
- Gîte L’Oasis del Camino, Éric (pèlerin), 62 Rue du Château, St Chély d’Aubrac; 07 66 77 77 80; Gîte, Abendessen, Frühstück, Küche
- Gîte Comme à la Maison, Malvina et Baptiste, 103 Route de la Baraquette, St Chély d’Aubrac; 06 32 90 71 64; Gîte, Abendessen, Frühstück, Küche
- Gîte Chez Janny et Jeremy, 226 Route de la Baraquette, St Chély d’Aubrac; 06 29 83 58 82; Gîte, Abendessen, Frühstück, Küche
- La Tour des Chapelains, Christine Brunier, St Chély d’Aubrac; 06 69 14 33 38/05 65 61 64 80; Pension, Abendessen, Frühstück
- La Carderie, Patricia Henry, St Chély d’Aubrac; 05 65 44 12 96; Pension, Abendessen, Frühstück
- Côté Boralde, Mmw Azzam, 102 Rue du Pont Neuf, St Chély d’Aubrac; 05 65 44 26 05/06 78 13 46 47; Pension und roulotte, Küche, Frühstück
- Hôtel-Restaurant des Voyageurs**, St Chély d’Aubrac; 05 65 44 27 40/06 61 84 14 09; Gîte und Hotel, Abendessen, Frühstück
- Hôtel-restaurant Les Coudercous***, St Chély d’Aubrac; 05 65 44 27 40/06 61 84 14 09; Hotel, Abendessen, Frühstück
Jahr für Jahr verändert sich der Jakobsweg und erfindet sich mit den Jahreszeiten und den Schritten der Pilger immer wieder neu. Manche Unterkünfte schließen ihre Türen, während andere, bescheiden oder unerwartet, neu entstehen. Es wäre daher unrealistisch, den Anspruch auf eine vollständige und unveränderliche Liste zu erheben. Dieses Verzeichnis umfasst ausschließlich Unterkünfte, die sich direkt an der Strecke oder höchstens einen Kilometer davon entfernt befinden. Die Auswahl wurde 2026 aktualisiert und dürfte sich in den kommenden Jahren nur geringfügig verändern. Wer umfassendere Informationen sucht, kommt an einem Werk nicht vorbei: Miam Miam Dodo, das problemlos online erhältlich ist. Seine größte Stärke liegt in der jährlichen Aktualisierung. Es verzeichnet nicht nur Unterkünfte unmittelbar an der Strecke, sondern auch Häuser, die etwas abseits liegen. Gerade bei starkem Pilgeraufkommen kann dies von großem Wert sein, wenn die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit schwieriger wird. Darüber hinaus bietet das Werk zahlreiche praktische Hinweise, von einladenden Cafés und Restaurants bis hin zu Bäckereien, die unterwegs eine willkommene Rast ermöglichen. Neben diesen klassischen Informationsquellen ist heute auch Airbnb nicht mehr wegzudenken. Die Plattform hat sich selbst in abgelegenen und dünn besiedelten Regionen zu einer wichtigen Adresse für Reisende entwickelt. Da die genauen Standorte der Unterkünfte jedoch nicht unmittelbar angezeigt werden, ist eine gewisse Vorausplanung erforderlich. Auf dem Jakobsweg hängt die Suche nach einem freien Bett in letzter Minute manchmal vom Zufall ab. Doch auf den Zufall sollte man sich nicht verlassen. Eine rechtzeitige Reservierung ist deshalb dringend zu empfehlen. Erkundigen Sie sich bei der Buchung außerdem, ob Abendessen und Frühstück angeboten werden. Diese scheinbar kleinen Details können die Mühen einer Tagesetappe erheblich erleichtern.
Wenn man die Übernachtungskapazitäten betrachtet, stehen in Aubrac etwa 80 Betten und in St Chély-d’Aubrac rund 200 Betten zur Verfügung. Zudem entscheiden sich viele Pilger dafür, ihre Etappe bereits in Aubrac zu beenden, nicht zuletzt wegen der besonderen Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes. Da auf der Via Podiensis während der Saison in der Regel zwischen 100 und 200 Pilger unterwegs sind, dürfte diese Etappe hinsichtlich der Unterkunftsmöglichkeiten keine besonderen Schwierigkeiten bereiten. Dennoch empfiehlt es sich, vorsorglich im Voraus zu reservieren.
Diese Strecken führen durch oftmals dünn besiedelte Gegenden, in denen Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen häufig nur begrenzt vorhanden sind. Restaurants sind oft selten, ebenso Lebensmittelgeschäfte, die nicht selten lediglich kleine Brotausgabestellen mit einer bescheidenen Auswahl an Gemüse und Milchprodukten sind. Auf dieser Etappe besteht jedoch kein Anlass zur Sorge. Aubrac, St Chély-d’Aubrac verfügen alle über ein gutes Angebot an Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und weiteren Dienstleistungen. Schließlich bieten zahlreiche Unternehmen einen Gepäcktransport oder einen Rücktransfer zum Ausgangspunkt an. Unter ihnen gilt La Malle Postale als die wichtigste Referenz.
NZögern Sie nicht, Kommentare hinzuzufügen. Oft ist dies der Weg, um in der Google-Hierarchie aufzusteigen, sodass mehr Pilger Zugang zur Website erhalten.

Nächste Etappe : Etappe 9: Von St Chély d’Aubrac nach St Côme d’Olt 
Zurück zum Menü







































































































































































































